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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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9G Vierter Abschnitt. Fällungsanalysen.

Silber und chromsaurem Kali. Fällt man jetzt in der unverändertenFlüssigkeit bis zum Ueberschiessen des Silbers, so hat man zusammenden Schwefelwasserstoff und das Chlor gefällt-. Zieht man das im Fil-trat durch Kochsalz bestimmte überschüssige Silber und jenes dem Chlorentsprechende von der ganzen Menge der zugesetzten Silberlösung ab,so bleibt die dem Schwefelwasserstoff entsprechende Menge übrig.

Die Methode ist sehr scharf wegen der bestimmten Zersetzung derSilbersalze mit Schwefelwasserstoff. Sie hat den Vortheil, dass vonAnfang an nach dem Zusatze des Silbers kein Verlust mehr möglich ist,so dass man in aller Ruhe fortarbeiten kann.

Schwefel in Verbindung mit Alkalimetallen kann in gleicher Artbestimmt werden, und es hängt von dem Ausspruch anderer Versucheab, als was der gefundene Schwefel anzusehen ist. In einer Verbindungvon Schwefelwasserstoff mit einem Schwefelalkalimetall kann man denSchwefelwasserstoff durch Schütteln mit metallischem Silber entfernen,und im Filtrat das Schwefelmetall nach obiger Weise bestimmen. Be-stimmt man auch einmal den ganzen Gehalt an Schwefel durch Silber-lösung, so hat man alle Angaben, um sowohl den Schwefelwasserstoffals das Schwefelmetall zu bestimmen.

Ist endlich der ganze Schwefelgehalt durch Silberlösung gefällt,so kann man im Filtrat durch Stärkelösung und Jodlösung die Mengeder unterschwefligen Säure bestimmen.

Sechszehntes Capitel.

Harnstoff.

Empirische Lösung von salpetersaurem Quecksilberoxyd: 77,2 Grm.reines Quecksilberoxyd in möglichst wenig Salpetersäure zu 1 Litregelöst. 1 CC. dieser Lösung = 0,010 Grm. Harnstoff.

Die Bestimmung des Harnstoffs ist von Liebig in einer neuenWeise bewirkt worden, die von den früheren Methoden wesentlich ab-weicht. Sie beruht auf der Fällbarkeit des Harnstoffs durch salpeter-saures Quecksilberoxyd.

Wenn man einer verdünnten Harnstofflösung eine gleichfalls ver-dünnte Lösung von salpetersaurem Quecksilberoxyd allmälig zusetzt,und die freie Säure der Mischung durch Barytwasser oder verdünnteskohlensaures Natron von Zeit zu Zeit neutralisirt, so erhält man einenflockigen, etwas aufgequollenen, schneeweissen Niederschlag, welcher inWasser unlöslich, in verdünnter Salpetersäure aber sehr leicht löslichist. Derselbe hat in seinem Verhalten grosse Aehnlichkeit mit dem