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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Sechszehntes Capitel. Harnstoff.

weissen Präcipitate. Fährt man mit dem Zusätze von Quecksilbersalzund kohlensaurem Natron abwechselnd fort, so lange dieser Niederschlaggebildet wird, so stellt sich ein Punkt ein, bei welchem durch den Zusatzvon kohlensaurem Natron die Mischung oder der Ort, wo der Tropfeneinfällt, eine gelbe Färbung von Quecksilberoxydhydrat anninunt. Fil-trirt man die Flüssigkeit in diesem Zeitpunkte, so enthält sie keine merk-bare Menge von Harnstoff' mehr; derselbe ist vollständig gefällt. Dieseramorphe Niederschlag enthält nach vielfach von Liebig angestelltenAnalysen stets auf 1 Atom Harnstoff 4 Atome Quecksilberoxyd.

Setzt man zu einer Harnstofflösung so lange salpetersaures Queck-silberoxyd, als sich ein Niederschlag bildet, so bleibt die Mischung beimZusatz von kohlensaurem Natron weiss; lässt man aber die ursprünglicheMischung einige Stunden stehen, so ändert sich die Beschaffenheit desNiederschlages, er wird krystallinisch und enthält nunmehr 3 At. Queck-silberoxyd. 1 At. Quecksilberoxyd ist in die saure Lösung zurück-gegangen, und diese giebt nun mit kohlensaurem Natron einen gelbenNiederschlag. Es geht daraus hervor, dass die Bestimmung des Harn-stoffs auf diesem Wege in einem Zuge beendigt werden müsse.

So lange die mit salpetersaurem Quecksilberoxyd versetzte Harn-stofflösung mit kohlensaurem Natron einen weissen Niederschlag giebt,ist noch kein Ueberschuss von Quecksilbersalz vorhanden. Es entstehtdieser weisse Niederschlag nur in Folge der Abstumpfung der freienSalpetersäure, worin der Harnstoffniederschlag löslich ist.

Um aber die Reaction mit kohlensaurem Natron hervorzubringen,muss eine gewisse Menge Quecksilbersalz im Ueberschusse vorhandensein. Diese Menge ist in etwas von der Menge der Flüssigkeit abhän-gig, zu welcher die Quecksilberlösung hinzukommt.

Es hat sich durch Versuche herausgestellt, dass 0,1 Grm. Harnstoff^zu 10 CC. Flüssigkeit gelöst, 10 CC. einer Quecksilberlösung, welche0,772 Grm. Quecksilberoxyd enthalten, zur Hervorbringung der gelbenReaction erfordert, während nach der F'ormel nur 0,720 Grm. Queck-silberoxyd nothwendig gewesen wären. Es enthält demnach ein jedesCubikcentimeter der Quecksilberlösung einen Ueberschuss von 0,0052Grm. Demnach wird die Maassflüssigkeit in dieser Stärke dargestellt,dass ICC. 0,0772 Grm. oder 1 Litre 77,2 Grm. Quecksilboroxyd enthält.

Liebig giebt ausführlich das Verfahren an, wie man diese Maass-flüssigkeit auf Harnstoff' stellen könne. Es dürften aber dabei viel ab-weichendere Flüssigkeiten hervorgebracht werden, als wenn man die vonihm ermittelten Mengen Substanz im reinem Zustande zu bestimmtenRäumlichkeiten auflöst. Ich ziehe den folgenden Weg vor.

Da man metallisches Quecksilber sehr schwer in bestimmten Mengenabwägen kann, und da man Quecksilberoxyd sehr leicht rein und trockenhaben kann, so ist die Darstellung der Maassflüssigkeit aus Quecksilber-

Mohr's Titrirbuch. II. Abthlg. 7