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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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104 Fünfter Abschnitt. Zusammenstellung u. Vergleichung der Parallcl-Methoden.

des kohlensauren Natrons und einer darauf gestellten Normalsiiure. DieUrfliissigkeit ist die erwähnte normal-kohlensaure Natronlösung aus 53Grammen wasserleeren, chemisch reinen kohlensauren Natrons zu 1 Litreverdünnt. Darauf stellt man sich eine beliebige Mineralsäure, in den La-boratorien Salpetersäure, um auch Erden damit bestimmen zu können, in denSodafabriken Schwefelsäure, dar. Reine und kohlensaure Alkalien werdendarnach in einer Operation ausgemessen, indem man sie in einer weissenPorzellanschale oder Kochflasche mit Stiel erwärmt und bis zum Nicht-mehrsichtbarwerden der Einfallsstelle mit Normalsäure versetzt. AlkalischeErden werden nach der im ersten Theile beschriebenen Methode bestimmt.

Acidimetrie.

Wir haben zwei Methoden kennen gelernt, 1. die umgekehrt alkalime-trische (I, S. 82), welche sich auf das Lakmuspigment gründet, und 2. dieKieffersche (I, Nachträge S. 354) mit schwefelsaurem Kupferoxyd-Am-moniak, wo die Vollendung der Operation durch eine Fällung von Kupfer-oxydhydrat, also durch eine Trübung, angezeigt wird. Die erste Methode fin-det bei allen starken und reinen Säuren Anwendung, die zweite bei schwachenSäuren (Essigsäure) und den sauren Lösungen solcher Metallsalze, dieselbst im reinen Zustande eine saure Reaction zeigen, wie Zinkoxyd,Eisenoxydul, Kupferoxyd- und Manganoxydulsalze. Sowohl die Alkali-metrie als die Acidimetrie sollen die im freien Zustande befindlichen Al-kalien und Säuren messen, und es sind deshalb solche Methoden nicht alsParallel-Methoden zu betrachten, wo Oxyde und Säuren durch Oxydation,Reduction oder Fällung wirken.

Bei dieser Gelegenheit will ich noch ein einfaches acidimetrisches Ver-fahren für einzelne Fälle erwähnen, welches darin besteht, dass man den Säurenetwas Chlorbaryum zufügt, und in einem Glase mit schwarzer Unterlage solange normalkohlensaures Natron zufügt, bis eine bleibende Trübung vonkohlensaurem Baryt entsteht. Säuren, die mit Baryt unlösliche Verbindungengeben, können in einer 300 CC. Flasche mit Ueberschuss von Chlorbaryumversetzt und davon 100 CC. zur Analyse abfiltrirt werden. Selbst abge-sehen von der in den meisten Fällen hinzukommenden Filtration kannman diesem Verfahren, welches Aehnlichkeit mit jenem von Kieffer hat,vor dem Gebrauch der Lakmustiuctur keinen Vorzug geben.

Kohlensäure.

1) Alkalimetrische Bestimmung, wenn man die Kohlensäure in Ver-bindung mit Baryt oder Kalk fällt, und den Niederschlag alkali-metrisch mit Normal-Salpetersäure und Normal-Kali bestimmt(1, S. 102).

2) Durch die Wirkung auf Lakmustinctur nach Kersting (I, Nachtr.S. 350).

3) Durch Silber, nachdem man den gefällten kohlensauren Baryt oder