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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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114 Fünfter Abschnitt. Zusammenstellung u. Vergleichung der Parallel-Methoden.

Salpetersäure.

Es sind zwei Methoden zur Bestimmung der gebundenen Salpeter-säure mitgetheilt worden:

1. Durch Oxydation von schwefelsaurem Eisenoxydul-Ammoniak undMessung des rückständigen Oxyduls durch Chamäleon (I, S. 215).

2. Durch Verwandlung der Salpetersäure in Ammoniak mittelst Be-handlung mit metallischem Zink, Destillation des Ammoniaks undalkalimetrische Bestimmung desselben (I, S. 353).

Es scheint wohl unbedenklich die erstere Methode den Vorzug zuverdienen, da die letztere vor der Bestimmung des Ammoniaks eine weit-läufige Behandlung erheischt. Die dabei unvermeidliche Destillation ge-reicht ebenfalls nicht zur Empfehlung.

Die Methode, die Salpetersäure durch Eisen zu bestimmen, ist mitBeibehaltung des Princips wesentlich von Fresenius *) verbessert wor-den. Er fand die Gründe der bisher gerügten Mangelhaftigkeit darin,dass zunächst die in den Gefässen enthaltene Luft neben dem Wasser-dampf oxydirend wirkt, indem Salpetersäure regenerirt wird; dass nichtalles Stickoxydgas ausgetrieben wurde, wodurch mehr Chamäleon redu-cirt wurde, als dem rückständigen Eisenoxydul entsprach; dass Salpeter-säure entwich, ehe sie auf das Eisen gewirkt hatte, und endlich, dass beiunvorsichtigem Kochen sich Eisenchloriir und Chlorid oberhalb der Flüs-sigkeit an den Wänden absetzte. Indem er alle diese Fehlerquellen be-seitigte, erhielt er sehr befriedigende Resultate Er nimmt eine kleinetubulirte Retorte von etwa 200 CC. Inhalt mit langem Halse, welcherschräg aufwärts gerichtet ist. Er bringt 1,5 Grm. weichen Eisendrahthinein und setzt 30 bis 40 CC. reine rauchende Salpetersäure zu. Durchden Tubulus leitet er mit einer etwa 2 Centimeter in die Retorte hinein-ragenden Glasröhre einen Strom durch Kali gewaschenes Wasserstoffgasein und verbindet den Hals der Retorte mit einer U-förmigen Röhre,welche etwas Wasser enthält. Es wird nun zur Lösung des Eisendrahtesgelinde erwärmt, und nach geschehener Auflösung das in einem kleinenRöhrchen abgewogene salpetersaure Salz, welches nicht mehr als 0,2 Grm.Salpetersäure enthalten darf, sammt dem Röhrchen in den Bauch derRetorte hineingeworfen. Nachdem die U-fÖrmige Röhre wieder angelegtist, wird der Inhalt der Retorte noch eine Viertelstunde im Wasserbadeerwärmt, dann aber unter lebhaftem Kochen das Stickoxydgas wegge-kocht, bis die Lösung in der Retorte die rein gelbe Farbe des Eisen-chlorids angenommen hat. Man lässt nun unter beständigem Durch-strömen von Wasserstoffgas erkalten und bestimmt den Rest des Eisen-oxyduls in bekannter Weise mit Chamäleon. Auf diese Weise erhieltFresenius von 100 Theilen Salpeter im Mittel von 4 Versuchen, die

*) Annal. der Chem. und Pharm. Bd. 10G, S, 217.