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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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IGfi Sechster ^hschnitt. Angewandter Thcil.

und doch sicher arbeitende Instrumente zu solchen Zwecken zu besitzen.Bei den hierüber angestellten Versuchen stellte es sich vorerst als un-zweifelhaft heraus, dass es nicht möglich ist, die Luft, sowie sie aus denLungen kommt, ohne Weiteres durch die Absorptionsapparate circulirenzu lassen. Der durch den Widerstand der Flüssigkeit veranlasste Druckbringt bei dem Ausathmenden ein so unnatürliches und unbehaglichesGefühl hervor, dass man diesen Versuchen, wenigstens in Rücksicht aufdie Menge der ausgeathmeten Luft, nicht das geringste Zutrauen schenkenkönnte. Sodann ist die Absorption der mit einem permanenten Gasstark verdünnten Kohlensäure so langsam, dass bei der grossen Mengeder ausgeathmeten Luft dieselbe nicht lange genug in den Apparatenverweilen kann, sondern von der nachfolgenden fortgedrängt wird, ehesie ihre Kohlensäure abgegeben hat. Als vier mit Kali-Baryt gefüllteAbsorptionsflaschen hintereinander gestellt wurden, zeigte die letzte nochbedeutende Fällungen. Bei einer noch grösseren Anzahl war der Wider-stand gar nicht mehr zu überwinden. In einen im Gleichgewichte schwe-benden Respirometer (Fig. 15) athmete ich in einem Zuge .3300 bis 3600 CC.Luft aus, und füllte bei ruhigem Atlnnen einen Gasometer von 47 Litre Inhaltin vier Minuten. Es würde dies auf die Stunde 705 Litre Luft betragen.Solche Mengen können allerdings nicht binnen einer Stunde durch Appa-rate von noch handlichen Dimensionen duvehgetrieben werden. Es stelltesich also als nothwendig heraus, die Messung der ausgeathmeten Luft undihre Analyse zu trennen. Was nun die Messung betrifft, so könnten wirdiesen Thcil den Physiologen und Aerzten überlassen. Da jedoch dieseApparate sehr selten Vorkommen, so dürfte eine Anleitung zu ihrer Con-struction und ihrem Gebrauch nicht ungern von manchem gesehen werden.Ein solches Instrument, welches auch den Namen Respirometer trägt, weilman die Capacität der Lungen damit messen kann, ist ein im Gleich-gewicht schwebender Gasometer (Fig. 15) mit graduirter Glocke.Der Ilaupttheil ist eine möglichst cylindrische Glocke von Glas miteinem starken Knopf an der Spitze. Sie muss stark von Glas sein. Erstwenn man diese Glocke besitzt, beginnt man mit der Zurichtung desApparates, da alle andern Theile sich nachMaass herstellen lassen. DerDurchmesser der Glocke kann 220 bis 250 sein, und ihre Höhe 400bis 450 mm . Diese Glocke muss an ihrem untern Rande mit Blei be-schwert werden, weil sie sonst nicht stabil schwimmt, sondern umzu-schlagen droht, was sich durch ein schiefes Anlegen an das Wassergefässzu erkennen giebt. In dieser Lage können die Grade nicht abgelesen wer-den. Diese Beschwerung mit Blei ist sehr schwierig anzubringen, undes wäre zu wünschen, dass solche Glocken mit einem schweren Glas-rande schon in der Glashütte angefertigt würden. Dicke, kreisförmiggebogene Bleiplatten mit untergelegtem Leder können an die Glocke an-gebunden oder gekittet werden. Die Glocke muss nun graduirt werden.Man stürzt sie um, und setzt sie auf ein Lager, dass ihr oberer Randganz horizontal liegt, was durch eine in zwei zu einander rechtwinkligen