170
Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.
Nach dem obigen Ansätze von 476,1 CC. Kohlensäure = 2 Grm.kohlensauren Kalk geben:
160 CC. C0 2 0,672 Grm. = 6,72 Proc. kohlensaurer Kalk,und 160,5 „ „ 0,674 „ = 6,74 „ ,. „
Es solle der Kohlensäuregehalt einer Magnesia carbonica bestimmtwerden.
Zur Titrestellung wurde 1 Grm. reiner kohlensaurer Kalk, welcher0,44 Grm. Kohlensäure enthält, im Apparate zersetzt. Das ausfliessendeWasser wurde in einer 300 CC. Flasche aufgefangen, und es mussten noch58 CC. Wasser hinzugelassen werden, um die Flasche zu füllen. Es warenalso 242 CC. Wasser ausgeflossen.
Wurde nun 1 Grm. Magnesia carbonica zersetzt, so flössen unterdenselben Verhältnissen 187 CC. Wasser aus, indem noch 113 CC. Was-ser in die 300 CC. Flasche mussten zugelassen werden. Wir haben nun:
242 CC. : 0,44 Grm. C0 2 = 187 CC. : x Grm. C0 2 .
woraus x = ^ ^242 = ^ rrn - ^ Ö 2 = 34 Proc.,
was mit den bekannten Analysen dieses Körpers sehr gut stimmt.
Nimmt man ein Gramm chemisch reines kohlensaures Natron als Aus-gangspunkt, so kann man mit der daraus gewonnenen Zahl den Gehaltan kohlensaurem Natron in einer Soda ermitteln. Die Antwort hat als-dann die besondere Bedeutung, dass die gewonnene Zahl nur das Natronangiebt, welches im einfach kohlensauren Zustande vorhanden ist, dennreines Natron entwickelt keine Kohlensäure. Wäre Bicarbonat. darinenthalten, so wäre die Antwort falsch, wenn man auf ein einfaches Car-bonat berechnete. Es Hesse sich so die Kohlensäure einer ätzendenLauge ermitteln; allein dazu haben wir weit genauere Mittel in derMaassanalyse kennen gelernt, und die Methode findet ihre eigentlicheAnwendung, wenn viele Analysen derselben Art Vorkommen, bei denenman sich mit einer sogenannten praktischen Genauigkeit begnügt.
Ein ähnliches Princip zur Bestimmung der Kohlensäure in natür-lichen Kalksteinen, Erden, Mergel und dergl. ist von Dr. Pinkus inInsterburg vorgeschlagen worden. Er misst die Spannung der entwickel-ten Kohlensäure durch eine gehobene Quecksilbersäule bei gleichbleiben-dem Volum, während in dem vorhin beschriebenen Apparate dies Volumbei gleichbleibender Spannung gemessen wird.
Der Apparat vonDr. Pinkus besteht aus einer zweihalsigen Flasche(Fig. 20), von denen der eine fast horizontal steht und mit einem sehrgut schliessenden Glasstöpsel geschlossen ist. Auf dem geraden Halsesitzt mittelst einer eingekitteten Hülse mit Ueberwurfschraube und Konusein an beiden Seiten offenes Barometerrohr mit Glaskugel in der Mitte.Die herabreichenden Schenkel dieser Glasröhre sind mit Quecksilber bisan den Anfangspunkt der Scala gefüllt. An der Flasche befindet sicheine horizontale Marke, bis zu welcher die Flasche mit Salzsäure oderSalpetersäure gefüllt ist. Sie ist dann für 15 bis 20 Versuche in Ordnung.