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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.

Flasche betröge 200 CC. und es entwickelten sich aus dem kohlensaurenSalze auch 200 CC., so ist der innere Druck gleich 2 Atmosphären, unddas Quecksilber muss in der senkrechten Röhre um eine Barometerhöhesteigen. Entwickeln sich nur 100 CC. kohlensaures Gas, so ist der in-nere Druck 300, wenn der äussere 200 ist. Es verhält sich alsdann200 : 300 = 760 mm : 1140", d. h. der innere Druck ist 1140". Zie-hen wir davon 760 mm ab, so bleiben 380"" als die Steighöhe des Queck-silbers in der Röhre, welche 100 CC. kohlensaures Gas anzeigt. Manersieht also, dass je kleiner die Flasche ist, desto höher das Quecksilberfür eine gleiche Menge kohlensaurer Verbindungen steigen müsste; unddass man bei einem grossen Lufträume in der Flasche durch Vermehrungdes Gewichtes der Probe jede beliebige Höhe erreichen kann.

Es sollte nun scheinen, als ob man die Scala sowohl theoretisch ausden eben entwickelten Sätzen, als auch praktisch durch Anwendung ver-schiedener gewogener Mengen einer kohlensauren Verbindung aufstellenkönne. - Es lässt sich die Scala jedoch nicht theoretisch feststellen, weildie Absorption ein Hinderniss in den Weg stellt.

Ich habe dieserhalb mehrere Versuche angestellt. 0,5 Grm. reinerkohlensaurer Kalk hob in drei Versuchen die Quecksilbersäule auf 357,358 und 359"", also im Mittel auf 358"". Das Thermometer zeigte20,3°C. und das Barofneter 763"". Der leere Inhalt der Flasche war236 CC. Obige 0,5 Grm. kohlensaurer Kalk enthalten 0,22 Grm. Koh-säure, und diese nehmen bei 0° C. und 760"" einen Raum von 111,86 CC.ein, nach Roses Tafeln. Corrigirt man erst auf 20,3° Cent., so er-hält man. 118 CC.

Dann auf 763" corrigirt = 116,3und endlich auf Feuchtigkeit 118,89

Der Druck im Apparate verhält sich also zum äussern 236 : 2364- 118,89 oder 236 : 354,89 = 763 : 1147.

Ziehen wir 763"" von 1147"" ab, so bleiben Ueberdruck 386"",während der Versuch 358"" gegeben hat. Es fehlen also 28"", die aufRechnung der Absorption kommen.

In ganz gleicher Art fehlten bei 1 Grm. kohlensaurem Kalk 71""Quecksilberhöhe. Daraus folgt, dass man die Scala nicht theoretisch an-fertigen könne. Es bleibt also nur eine praktische Aufstellung übrig,die ich dem Herrn Erfinder dringend ans Herz gelegt habe, da der Appa-rat wegen der Leichtigkeit seiner Handhabung wohl einige Mühe zurBeseitigung seiner Mängel verdient.