Sechszehutes Kapitel. Gusseisen, Stahl, Stabeisen.
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Sechszehntes Kapitel.
Gusseisen, Stahl, Stabeisen.
1 CC. Zehent-Silberlösung = 0,0006 Grm. Kohlenstoff.
Die wichtigste Bestimmung darin betrifft den Kohlenstoffgehalt.Derselbe kann im Gusseisen in zweierlei Form enthalten sein: als ausge-schiedener Graphit oder chemisch mit dem Eisen verbunden. Bei derAuflösung von Kohleneisen in verdünnter Mineralsäure entwickelt sichein stinkendes Wasserstoffgas, welches eine gewisse Menge Kohle alsKohlen Wasserstoff gebunden enthält; ein anderer Theil bleibt als einebraune, humusartige, im Aetzkali lösliche Substanz zurück. Alle Versuche,den Kohlenstoffgehalt als reine Kohle auszuscheiden und in diesem Zu-stande zu wägeu, gaben unrichtige Resultate, weil dieser Kohlenstoff un-gemein hygroskopisch ist, weil er häutig Reste des Lösungsmittels enthält,und weil er nothwendig das im Eisen enthaltene Silicium oder die darausentstandene Kieselerde enthalten muss. Es bleibt deshalb nichts anderesübrig, als den Kohlenstoffgehalt zu Kohlensäure zu verbrennen, und dieKohlensäure in irgend einer Art zu bestimmen.
Könnte man die drei genannten Eisenarten in ein feines, unfühlbaresPulver verwandeln, so stände nichts entgegen, dieselben in einer Glas-röhre mit Asbest gemischt in einem Strome von Sauerstoff zu verbrennen.Da aber das gebildete Eisenoxydoxydul nicht flüchtig ist und den innernTheil des Eisenkörnchens gegen den Zutritt von Luft schützt, so gelingtes nicht, den ganzen Kohlenstoff'gehalt auf diesem Wege zu erlangen.Die ausgeglühten Massen entwickeln dann, wenn sie nachher in warmerSalzsäure gelöst werden, meistens ein nach Kohlenwasserstoff riechendesGas. Es ist deshalb nothwendig, die zu untersuchenden Stoffe erstenseiner möglichst feinen Vertheilung zu unterwerfen, und dann das Eisengrösstentheils oder ganz durch ein Lösungsmittel zu entfernen, welchesauf die Kohle selbst keinen Einfluss ausiibt.
Die feine Vertheilung der Eisenproben bietet grosse Schwierigkeiten.
Vom Gusseisen werden auf dem Ambos mit dem Hammer kleineStückchen losgetrennt, und diese im Stahlmörser mit Schlussring miteinem schweren Hammer zerquetscht, dann nach öfterem Aufrütteln derMasse durch wiederholte Schläge in ein möglichst feines Pulver verwan-delt. Von diesem Pulver sondert man das feinste mit einem Siebe ausMessingdraht ab. Das Sieb ist bei einem Durchmesser von 60 bis 80Millimeter gross genug und hat einen metallenen Ring, weil man or-ganische Stoffe absichtlich fern hält. Bei der Bestimmung der Kohlen-säure durch Silber genügt 1 Grm. des Eisenpulvers. In jedem Falle
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