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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.
muss man sich in einer Operation die hinreichende Menge von Eisenpul-ver verschaffen, alle Untersuchungen, die inan im Sinne hat, damitvornehmen zu können.
Stahl und Schmiedeeisen können in einem Mörser nicht verkleinertwerden. Man muss zur Feile schreiten. Wenn der Stahl hart ist, somuss er in einem Tiegel in Sand oder Magnesia eingepackt, ansgeglühtund langsam erkalten gelassen werden. Man steckt das Stück durch stei-fes Glanzpapier mit aufgebogenem Rande hindurch und befestigt es imSchraubstocke, so dass die Papierkapsel über dem Schraubstocke liegt.Man feilt nun von der oberen Spitze das Pulver ab, wobei man daserste Pulver entfernt, weil die äussere Schicht durch das Glühen eineVeränderung erlitten haben kann, und auch von einer neuen Feile sichSpitzen der Zähne loslösen können. Die Herstellung des Objectes machthierbei mehr Mühe als die Analyse selbst, und doch kann inan sie einemgewöhnlichen Arbeiter kaum übertragen, wenn man der vollkommenenReinheit des Pulvers sicher seih will.
Die Aufschliessung des gekohlten Eisens geschieht am leichtestenund vollständigsten durch Jod. Nach Kobell soll sich auch das Kolilcn-eisen durch reinen Pyrolusit oder künstlich bereitetes Manganhyperoxydmit starker Salzsäure unter Zurücklassung des ganzen Kohlenstoff-gehaltes aufschliessen lassen. Man bringt das gewogene Pulver in eineProberöhre, fügt etwas Jod hinzu, und dann etwas Wasser. Die Ein-wirkung ist augenblicklich und bei feinem Pulver fast stürmisch. Sobaldsich Eisenjodiir gebildet hat, löst sich auch das Jod zu einer rothbrau-nen Flüssigkeit. Diese wird noch einige Mal entfärbt, und durch neuenZusatz von Jod wieder die braune Farbe hergestellt. Zuletzt erwärmtman die Flüssigkeit etwas. Die Filtration geschieht in derselben Glas-röhre, in welcher die Verbrennung geschehen soll. Man nimmt dazu einesogenannte Chlorcalciumröhre ohneKugel und bringt einen Asbestpfropfan die Stelle, wo die weite Röhre in die engere übergeht. Der Asbestist häufig vollkommen rein und brauchbar zu diesem Zwecke. Man mussin jedem Falle sicher sein, dass er keine kohlensaure Salze und organi-sche Stoffe enthält, welche man durch Ausziehen mit Säuren und nachhe-riges Glühen beseitigen kann. Diese Röhre befestigt man vorläufig ineinen Kork, welcher auf ein Glasgefäss lose passt. Man giesst nundie überstehende Jodflüssigkeit aus der Lösungsröhre in die Röhre mitdem Asbest, und prüft, ob eine kleine Menge zugesetzten Jods keinefernere Einwirkung bedingt. Wenn dies nicht der Fall ist, so spritztman den ungelösten Rest aus der Proberöhre in die Verbrennungsröhre.Dazu bedient man sich einer Spritzflasche, deren Spitze unter einemhalben rechten Winkel nach oben gerichtet ist. Indem man die Probir-röhre ebenfalls in dieser Neigung dicht auf die senkrecht stehende Ver-brennungsröhre setzt, richtet man einen Strahl destillirten Wassers genauin die Längenriehtung der Probirröhre, so dass er den Hoden trifft. Esfliessen nun alle festen Theile rasch herunter und sammeln sich auf dem