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Achtzehntes Kapitel. Analyse (1er Mineralwasser.
nach bestimmt werden, und zweitens aus dem chemischen, wenn, wie diesbisher zu geschehen pflegte, alle • Bestandteile bestimmt und die unbe-stimmbaren nur als Spuren aufgeführt, werden. Ein wissenschaftlichesInteresse ist selbst hieran nicht geknüpft, denn es ist eben gar nichts darangelegen, ob zu den vielen als Seltenheiten vorkommenden Stoffen nochein neuer, bisher noch nicht aufgefundener kam, selbst wenn es Platinoder Palladium wäre. Man pflegt deshalb auch jetzt schon bei der voll-ständigen Analyse die Aufsuchung der unbestimmbaren Minerale einerganz besondern von der Analyse getrennten Arbeit zu überweisen. DieseAufsuchung der Minima ist zwar eine sehr mühsame, den ganzen Scharf-sinn des Chemikers in Anspruch nehmende Arbeit, aber nichtsdestoweni-ger fast immer eine ganz nutzlose, wenn in der Analyse neben denGewichtsbestimmungen ein ganzer Schweif von „Spuren“ zum Prunkeanfgeführt werden kann.
Die natürlichen Mineralwasser zerfallen ihrer Zusammensetzung nachin zwei grosse Cla'sen, nämlich 1) die alkalischen und 2) die salinischen.Der bezeichnende Beslandtheil der ersten Classe ist kohlensaures Natron,der der zweiten Classe Kochsalz ohne kohlensaures Natron. Die alkali-schen Mineralwässer enthalten neben dem kohlensauren Natron nochschwefelsaures Natron und Kochsalz und in Kohlensäure gelöste Kalkerde,Bittererde, Eisenoxydul.
Die salinischen Mineralwasser enthalten neben Kochsalz noch Chlor-calcium, Chlormagnium und in Kohlensäure gelöste Kalkerde, Bittererde,Eisenoxydul, wie die ersten. Die Bitterwasser enthalten als wesentlichenBestandteil schwefelsaure Bittererde.
Kieselerde, Thonerde, Kali, Fluorcalcium, schwefelsaurer Baryt undStrontian und andere sind im Wasser gelöst, kommen in beiden Classenvor und bedingen weder einen Unterschied noch eine Qualität des Mi-neralwassers.
Die Analyse beider Arten von Mineralwasser ist verschieden, wennman sie ohne Weiteres als solche angreift. Die alkalischen sind leichterzu analysiren, weil durch blosses Vertreiben der Kohlensäure die Alkali-salze und Erdsalze von einander getrennt werden. Es scheiden sich näm-lich die in Wasser löslichen drei Natronsalze von den unlöslichen kohlen-sauren Erdsalzen.
Bei den salinischen findet dies durchKochen nicht statt. Ich habejedochschon vor vielen Jahren (s. Rose’s analytische Chemie. 3. Aufl. 1834. 2. Thl.S. 563) die Methode eingeführt, die salinischen Mineralwasser durch einengewogenen Zusatz von reinem kohlensauren Natron in alkalische zu verwan-deln. Alsdann ist der Gang der Analyse für beide vollkommen gleich.
Bevor wir in das Einzelne eingehen, will ich noch anführen, dasssämmtliche Bestandtheile des Mineralwassers am besten auf Volum vonWasser und nicht auf Gewicht reducirt werden. Es erleichtert dies dieArbeit wesentlich. Ganze und halbe Litreflaschen und Pipetten wirdjeder Chemiker jetzt sicher besitzen. Mit welcher Leichtigkeit man ein