Dreiundzwanzigstes Kapitel. Harnanalyse.
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Harnanalyse.
Die meisten der quantitativen Bestimmung fähigen Bestandtheile desHarns können maassanalytisch bestimmt werden. Es giebt Fälle, woman nur einen Bestandtheil zu bestimmen wünscht (das Kochsalz beiNervenfiebern), meistens werden die drei Bestandtheile: Kochsalz, Harn.Stoff und Phosphorsäure bestimmt. In einzelnen Fällen werden nocheinige andere Bestandtheile bestimmt. Die Menge des gelassenen Harnswird ausschliesslich nur nach Volum gemessen, indem man sich dazugraduirter Cylinder bedient, die nöthigenfalls mehrmals ausgeleert wer-den. Aus diesem Grunde werden die Bestandtheile auch nur auf Volumreducirt, weil man den Vortheil hat, die einzelnen Mengen Harn geradezuaus einer Bürette auslaufen lassen zu können, und die Gewichtsbestim-mung eines einzelnen Körpers, auf das ganze gelassene Volum reducirt,sogleich die ganze ausgeschiedene Menge eines einzelnen Körpers fürden Tag oder die gelassene Menge Harn ergiebt. Da das Ansaugen desHarns in Pipetten etwas Unangenehmes hat, so bedient man sich zumMessen einer in der Etagere stehenden Bürette von 50 bis 60 CC. Inhalt,in fünftel Cubikcentimeter getheilt.
Der zur Analyse bestimmte Harn wird zweckmässig vor dem Ver-suche filtrirt, weil die auch in jedem gesunden Harn befindlichen Epithe-lialzellen die Erscheinungen trüben und spätere Filtrationen erschweren.Man habe also mit dem filtrirten Harn eine Bürette gefüllt und gehe zurAnalyse über.
1) Kochsalzbestimmung.
Wenn man den Chlorgehalt des Kochsalzes im Harn direct durchZehent-Silberlösung unter Zusatz von neutralem chromsauren Kali als In-dicator bestimmen will, so bemerkt man gegen Ende der Operation nichtjenes plötzliche Eintreten der rothen Färbung, wie bei reinen Salzen, son-dern die Farbe geht durch zunehmendes Gelb so allmälig in die röthlicheüber, dass zwei Beobachter um namhafte Volumtheile der Maassflüssigkeitvon einander abweichen. Directe Versuche mit reiner Kochsalzlösungunter Zusatz von phosphorsaurem Natron und dann von Harnstoff zeig-ten, dass diese beiden Bestandtheile des Harns nicht die Ursache der ab-weichenden Erscheinung sind. Es scheint ziemlich festzustehen, dass dieExtractiv- und Farbestoffe des Harns, über deren Natur man so wenigweiss, die Veranlassung zu der erwähnten Erscheinung geben.
Der Farbestoff des Harns lässt sich durch keines der bekannten Ent-färbungsmittel, wie Kohle, Thonerde, Kalkmilch, entfernen, und es müsste
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