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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.
Flüssigkeit in eine weite Flasche, verdünnt sie stark mit Wasser bis zu700 bis 800 CC. und misst das Eisenoxydnl mit Chamäleon. Man musshierbei immer umschwenken, und das erste nicht augenblicklich beimSchütteln verschwindende Roth für das Ende der Operation halten. Manreducirt die gebrauchten CC. auf Eisendoppelsalz.
Die Gramme von diesem Salze sind ohne Weiteres Procente derPhosphorsäure. Da nämlich das Eisendoppelsalz mit 0,182 (I, S. 218)multiplicirt, Phosphorsäure giebt, so muss es hundertmal 0,182 oder18,2 mal genommen, auch 100 Phosphorsäure geben, folglich jeder Theildes Eisensalzes 1 Proc. Phosphorsäure sein. Man hat also 18,2 CC.Harn abzumessen, die man ebenfalls aus der Bürette auslässt.
Hätte man eine andere Menge Harn, z. B. 50 oder 100 CC., genom-men, so würde man das verbrauchte Chamäleon auf Eisendoppelsalz re-duciren und dieses Gewicht mit 0,182 multipliciren, um den Gehalt in50 oder 100 CC. Harn zu erhalten.
Wendet man nichtamalgamirtes Zink an, so entsteht durch die reich-liche Auflösung von Zink viel Schaum, von den organischen aus demHarn mit niedergerissenen Stoffen. Das amalgamirte Zink verhindertdies fast ganz, bewirkt aber die Zersetzung etwas langsamer. Da manjedoch die Reductionsflasche nicht zu beobachten braucht, so geht dadurchkeine Zeit verloren.
Die mit niedergerissenen organischen Stoffe wirken nicht augen-blicklich auf das Chamäleon, sondern erst nach einiger Zeit. Ich habemich durch Versuche überzeugt, dass gleiche Mengen Ilarn, in derselbenArt gefällt und ausgewaschen, gleichviel Chamäleon gebrauchten, wenndas phosphorsaure Eisenoxyd erst geglüht und dann gelöst und reducirtwurde, oder wenn es ohne Weiteres vom Filter hinweg gelöst wurde.
b. Aus der Bürette.
Man lässt eine bestimmte Menge Harn ausfliessen, z. B. 20 oder30 CC. Man bringt ihn unter die mit empirischer Eisenoxydflüssigkeit(II, S. 83 und 87) gefüllte Bürette, lässt davon hinzufliessen, bis nachjeweiligem Schütteln ein Tropfen dieser Flüssigkeit, auf ein Filtrirpapiergebracht, ein darunter liegendes, mit Blutlaugensalzlösung befeuchtetesPapier schwach blau färbt. Jeder CC. der empirischen Eisenoxydflüssig-keit ist gleich 0,007136 Grm. Phosphorsäure. Man multiplicirt die ver-brauchten CC. mit dieser Zahl und berechnet das Product auf100 Grm. Obgleich diese Bestimmung schneller ausgeführt ist, so ist siedoch nicht so sicher auszuführen, als die erste. Man ist bei zwei hinter-einander mit derselben Flüssigkeit genommenen Proben oft unsicher überJa und Nein.
4) Kalk. Man misst 100 CC. flltrirten Harn ab, vesetzt ihn mitkleesaurem Ammoniak, lässt absetzen, bringt auf ein kleines Filtrum undwäscht regelmässig aus. Den Niederschlag übergiesst man mit warmer,reiner Salpetersäure, flltrirt und bestimmt die Kleesäure mit Chamäleon