Buch 
Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
Seite
215
JPEG-Download
 

215

Dreiundzwanzigstes Kapitel. Harnanalyse.

(I, S. 186). Die gebrauchten CC. Chamäleon reducirt man nach demTagestitre auf Eisensalz.

Eisensalz X 0,07143 = Kalk,

X 0,12755 = kohlensaurer Kalk.

Man hat also das auf Eisensalz reducirte Chamäleon mit 0,07143 zu multi-pliciren, um Kalk zu erhalten.

5) Schwefelsäure.

Die Maassanalyse bietet liier noch keine Vortheile dar. Man messe100 CC. Harn ab, übersättige mit Salzsäure, fälle mitChlorbaryum, lasseabsetzen, filtrire, wasche aus, trockne, glühe und wäge den Rückstand imPlatintiegel.

Schwefelsaurer Baryt X 0,343 = wasserleere Schwefelsäure.

6) Eisen.

Man dampfe 100 CC. Harn ein und verbrenne den Rest in einemPlatintiegel unter Zuwerfen von salpetersaurem Ammoniak, die geglühteMasse ziehe man mit Salzsäure kochend aus, bringe die Lösung (filtrirtoder nicht) auf Zink und bestimme das Eisen mit Chamäleon. */ 7 desEisendoppelsalzes ist Eisen, dies mit 10 multiplicirt und mit 7 dividirtgiebt Eisenoxyd.

7) Harnsäure.

Man versetze 300 CC. Harn mit 5 CC. englischer Schwefelsäure,lasse einen oder einige Tage möglichst kalt stehen, giesse die Flüssigkeitsanft vom Niederschlage ab, füge etwas kaltes Wasser hinzu und giesse noch-mals ab. Den Niederschlag löse man in wenig warmem Kali, verdünne,setze viel Schwefelsäure zu und bestimme die Harnsäure mit Chamäleon.Dieses wird auf Eisendoppelsalz reducirt und dessen Gewicht mit 0,19multiplicirt giebt Harnsäure (I, S. 365).

8) Freie Säure.

Man messe 100 CC. Harn ab, bringe sie unter die Bürette mit Normal-kali, lasse dies tropfenweise einfliessen und prüfe durch Streifen mit einemGlasstabe oder einer Federfahne über violettes Lakmuspapier, bis diesesleicht gebläuet wird. Die Zahlen sind unter gleichen Verhältnissen vergleich-bar. Da man die Natur der freien Säure nicht kennt, so kann man dasNormalkali nicht auf eine bestimmte Säure berechnen (I, S. 127).

9) Ammoniak.

Die Bestimmung des Ammoniaks im Harn bietet wegen der gleich-zeitigen Gegenwart von Harnstoff, welcher durch die Einwirkung derzersetzenden Alkalien selbst zersetzt wird, eine eigene Schwierigkeit. DerHarnstoff wird von ätzenden Alkalien in der Wärme leicht zersetzt, abernicht in der Kälte, während die Ammoniaksalze schon in der Kälte voll-ständig zersetzt werden. Nach der Methode von Schlössing wird derHarn mit etwas Aetzkali gemischt, mit einer flachen Schale, welche einegemessene Menge einer normalen Säure enthält, zugleich unter eine dichtschliessende Glasglocke gestellt und längere Zeit darunter stehen gelassen.Es verdunstet hier das Ammoniak aus dem Harn und wird von der Säure