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1 (1846) Befreiungskrieg von 1813, 1814 und 1815 / von Wilhelm von Rahden
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tm polnischen Truppen einstellen. Doch nur ein einziger Schlesier folgtedem blendenden Köder: blauen knappen Uniformen mit gelben Revers,buntgezierten Czacko's und silbernen Ringkragen!

Nach wenigen Wochen wurde jedoch das ganze Institut zum polni-schen reformirt; es sollten alle Kadetten, so hieß es, rücksichtslos, ob Poleoder Schlesier, nach und nach zum activen Dienst der Insurgenten her-angezogen werden. Auch ich stand bereits auf der Liste, obgleich ich nochgar klein, und meine körperliche Ausbildung durchaus zurückgeblieben war.In dieser großen Noth schrieb ich an meinen Pflegevater und bat ihn,mich nach Hause zu nehmen. Ich könnte ja unmöglich unter fremdenFahnen dienen," argumentirte ich. Die Antwort ließ sich nicht langeerwarten und lautete wörtlich:

Zu Hause will ich Dich nicht nehmen; denn dann ist's mitdem Lernen vorbei; werde daher polnischer oder französischer Ka- det, mir gleichviel, nur werde ein ehrliebender Soldat, und ich will dann stets für Dich nach Kräften sorgen. Komm mir aber nichtzu Hause, wie unsere jungen Offiziere von Jena, denn da er- hältst Du vor meiner Thüre nicht Wasser nicht Brot, aber Schandeim vollsten Maaße.

Dein treuer Vater D." *)

Mit unauslöschlichen Zügen prägten sich diese Worte in mein jugend-liches Gemüth, und entschwanden nie mehr dem Gedächtnisse. Sie bildetenanfänglich den kindischen Vorsatz, später den festen männlichen Willen.

Schlesien ward schon Ende Oktobers desselben Jahres von den Baiernund Würtembcrgern überzogen, die als ein abgesondertes Corps der fran-zösischen großen Armee, unter Jerome's, spätern Königs von Wcstphalen,Befehlen standen. Es waren dies sehr schlimme Gäste. Wenn die Fran-

*) Man kann den Unmuth und die tiefste Kränkung eines alten Soldaten Friedrichs II.in den harten Worten meines Pflegevaters erkennen, den ganz gewiß später seinvortreffliches Gemüth und eine gediegene Urtheilskrast bei ruhiger Abwägung derVerhältnisse zu milderm Ausspruche gestimmt hat.