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zosen mit glatten Worten auch das Letzte herauözupressen verstanden, ge-schah dasselbe, aber plumper Weise, von den cbengenannten Deutschennur durch Fluch und Hieb. Die Wahl zwischen beiden Arten mag im-merhin schwer sein; doch hat wohl feine Manier selbst beim Nehmen denVorzug.
Im Dezember ward Breslau belagert. Mehrere kleine preußischeAbtheilungen, welche unter kräftigen Führern sich nach dem Oktober-Dcbaele schnell wieder gesammelt hatten, eilten der bedrängten Hauptstadtzu Hülfe. Es mangelte aber ein gemeinsamer Plan, und nutzlose Be-strebungen und vielfache Opfer waren das einzige Resultat. Fürst Fer-dinand von Pleß, an Talent, wie an Geburt hervorstechend, warf sichmit einigen Tausend Mann auf die nächste Verbindungslinie zwischenden Baicrn und der, nach Polen vorausgeeilten, französischen Armee. Er-nährn hierbei seine Marsch-Direktion nach der Stadt Kalisch.
Auf der breiten Straße vor unserm Corpsgebäude wurden großeHaufen polnischer Bauern in rohen Lcinerrkitteln von einigen Offizieren inpreußischen Uniformen zum Dienste Napoleon's dressirt; gewiß eine son-derbare Zusammenstellung. Auf den Ruf: „die Preußen kommen!"lief jedoch Alles davon, die Offiziere zuerst, und dies hätte mir des Va-ters strenge Rede und Urtheil einigermaßen deuten können. Unter demSchutze dieser augenblicklichen Verwirrung wurden schnell 7 Kadetten,aus Schlesien gebürtig, worunter auch ich, in grobe leinene Kittel gehülltund durch einen ehemaligen preußischen Feuerwerker durch Dick und Dünnund Wald und Sand zum Fürsten Pleß geführt, wo wir nach 36 stün-digem Hcrumirren, auf den Tod ermüdet, anlangten. Fünf meiner Ge-fährten wurden sogleich unter die Truppen gesteckt, die ohne Aufenthaltwieder weiter marschirten; ich aber und ein gewisser v. M., noch klei-
ner als ich, wegen Unmöglichkeit des Weitertransports liegen gelassen. —
Von hier ab sind sechs Wochen gänzlich meinem Gedächtnisse ent-schwunden. Doch hat man mir es später erzählt, daß ich, vermuthlichin Folge der Ermüdung und beständigen Aufregung, erkrankt und voneinem baierschen Offiziere in einer Judenschenkc im Dorfe Honig ohn-weit Medzibor dicht an der Grenze aufgefunden worden sei. Die Mon-tirung unter dem Leinenkittel und eine kleine Brieftasche hatte meinen