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pagnie, „wie konntet Ihr glauben, daß ich vorhin im Ernstezu Euch gesprochen? Ich wollte nur wissen, wie viel Feig-linge unter Euch wären. Gott sei Dank! Nur Einer! Lachtmir den Kerl tüchtig aus!" Ein weithin schallendes Gelächter er-folgte dreimal auf Befehl; dann hieß es: „Kehrt!" und in einer halbenStunde saßen wir durchnäßt und müde wieder in unserer Kaserne.
Ich bin bei der Erzählung dieses Vorfalles etwas ins Detail ge-gangen, da er H's. Art und Denkweise kennen lehrt, und oftmals inmein jugendliches Geschick thätig cingriff. H. wurde seit jenem Tagemein besonderer Gönner; er gab mir von nun an Privatunterricht inder Mathematik, nahm mich in die Gesellschaften der Offiziere mit undimpfte mir so zuerst das Gefühl eines gewissen Ucberschätzens meinerSelbst gegen meine Kameraden oder besser gegen meine eigene Stellungein, welcher Ucbelstand glücklicher Weise wieder durch meine angeboreneGutmiithigkcit und Timidität gemildert wurde. Der kleine rothbäckigeBombardier ward überall gern gesehen und überall eingeführt. So stieg- mir der Sinn, aber in Wahrheit auch der Wunsch und das Bemühen,mich vor meinen Kameraden hervorzuthun. —
Der hohe Donjen von Glatz war damals ein Versammlungsort derjungen Militairs, namentlich der Artilleristen. Im Laboratorium wurdetüchtig gearbeitet; aber die Offiziere fanden auch außerhalb desselbenmanche Zerstreuung unter den vielen Staatsgefangenen, meist Personender höhcrn Stände, im bunten Gemisch unter einander geworfen. AlteGenerale, welche ihre Festungen dem Feinde zu schnell geöffnet, jungeOffiziere, welche die Bande der Disciplin und Subordination gröblichverletzt hatten; auch eine Dame aus der vornehmen Welt, welche einstin der Residenz geglänzt, war dabei. Die Geheime Räthin v. U. büßtehier schon seit langen Jahren ihre jugendlichen schweren Vergehen.^ Sieward, wie bekannt, gleich wie später Madame Lasarge, angeklagt, auchgrößtcntheils überführt, und es war ihr auf Lebenszeit der Donjon zuGlatz zum Wohnorte angewiesen worden. Sie soll in den ersten Jah-ren ihrer Gefangenschaft durch körperliche und geistige Vorzüge sich Mit-tel zum Entkommen gewonnen und dasselbe wiederholentlich versucht ha-ben, weshalb eigentlich den Offizieren und Beamten der nähere Umgang