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1 (1846) Befreiungskrieg von 1813, 1814 und 1815 / von Wilhelm von Rahden
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mit ihr untersagt ward. Jetzt stand die Dame schon im reiferen Alter;doch war sie noch interessant genug, um manchen jungem Offizier, wennauch nur auf kurze Zeit, zu fesseln. Der Zufall führte mich bei dersel-ben ein. Sie gewann mich lieb; mein kindlich offenes Wesen gewährteihr einen neuen Reiz in ihrer Abgeschiedenheit von der Welt, und sie zogmich deshalb an sich, denn andere Absichten konnte sie wohl durchausnicht mit mir haben. Ich empfing von ihr Unterricht in der französi-schen Sprache; auch suchte sie durch Erzählungen von Thaten aus frü-hester und jüngster Kriegszeit mein Gefühl für Hochherzigkeit und Ehreimmer mehr zu schärfen. Ein Junker von E. von einem ehemals inGlatz garnisonirendcn Infanterie-Rcgimente war 1804 und 1805, wieich zur Zeit, ihr Schüler und Pflegling gewesen. Auch er hatte ihrenErzählungen gelauscht. Dieser soll später bei Jena, so erzählte man mir,sich in die Fahne seines Regiments gehüllt und, Tod der Schmach vor-ziehend, sich in die Mitte der siegenden Feinde gestürzt haben. Er wurdehierbei stark verwundet, verlor auch später bei Leipzig durch eine Kano-nenkugel den Fuß; aber ein langes ehrenvolles Leben und für die obenerzählte That der Orden pour 1o imKito war sein Lohn. Wie gernund oft schwärmte ich vom lieben Orden porm lo rasrito, und, wennich damals einen Offizier mit diesem geschmückt sah, dachte ich nur anGroßthaten. Jetzt ist dies freilich anders; doch in jener Zeit bildete sichimmer fester Vorsatz und Entschluß zur einstigen That.

Ziemlich unsanft wurde ich aus meinen Schwärmereien geweckt. EinesTages ruft der Commandant der Festung auf der Parade meinen Ca-pitain und befiehlt ihm ganz laut, dem Bombardier von R. streng zuuntersagen, je wieder aus den Donjon zur U. zu gehen, sondern hübschim Laboratorium zu arbeiten, Pulversonncn und Papicrhülscn zu dre-hen. Mehr bedurfte es nicht; ich habe natürlich meine gütige Lehrmei-stcrin, als Bombardier,^ nicht wieder gesehn, und lange schwebte mir diehohe weiße Gestalt in meinen Träumen vor, als ob sie mir drohe, daßich ohne Dank und ohne Abschied von ihr gewichen war. Doch ich be-folgte ja nur strenges Gebot.

Im Herbst desselben Jahres hatte die Artillerie in Glatz die ersteBesichtigung vor ihrem neuen Chef, dem jungen General-Major, Prin-