Buch 
1 (1846) Befreiungskrieg von 1813, 1814 und 1815 / von Wilhelm von Rahden
Entstehung
Seite
27
JPEG-Download
 

27

denn ich begriff sehr wohl, wie dienstwidrig ich gehandelt hatte; auchschwand jede Hoffnung, denn schon war der Termin zur Prüfung fest-gesetzt und die glücklichen Auserwähltcn bereits von Glatz abmarschirt.

Eines Mittags stand ich traurig in der Reihe der Bombardiere aufdem Paradcplatze am Anberge des Gouvernements-Gebäudes zu Glatz.Da kommt der Commandant, Major von B., mit einem großen Dienst-briefe in der Hand gerades Weges auf meinen Capitain zu und sagt: Hauptmann von Ahnen, lassen Sie doch einmal den Bombardier vonR. vortreten." Ich war bis zum Hinsinken betroffen ob dieser Cita-tion, nnd ohne ein Wort erwiedern zu können, hörte ich eine lange Epistelüber mein unerlaubtes, dienstwidriges Benehmen, worauf mir Arrest undstrenge Strafe zudictirt, aber auch zugleich der Brief eingehändigt wurde.Dies war ein direktes Schreiben des General-Lieutenants von Diericke,damaligen Präses der Ober-Eraminations-Commission, mit der Bestim-mung, wie ich sogleich zum Fähndrichs-Eramen nach Breslau abgehenkönne. Der Termin hierzu war auf übermorgen festgesetzt, und heuteMittag erhielt ich die Erlaubniß. Arrest und die Strafe mußte mir da-her erlassen werden, und wenige Stunden nach der Parade, um 3 Uhr,stand ich, mit dem Tornister hochbepackt, hinter dem Stuhle meines Capi-tains, die Unterschrift des dargereichten Passes erbittend. Es war glü-hend heiß, mein guter Capitain war wohl beleibt, und die Zeit zu un-serer nordischen Siesta, dem Verdauungs-Schläfchen, eben die erschnteste.Auch überwältigte mitten in der Unterschrift eine unwiderstehliche Sehn-sucht meinen Hauptmann dergestalt, daß die Feder ruhte, und er ent-schlief, und ich würde gewiß in respektvoller Stellung stundenlang dasErwachen desselben abgewartet haben, wenn nicht ein starkes Gcpolterund Geschrei mir zu Hülfe gekommen wäre. Der kleine Robert, jüng-ster Sohn des Hauptmanns, war die Treppe herunter gefallen, undstürzte eben blutend und lärmend zur Stube herein. Mein Hauptmannerwachte, beendete seines Namens Unterschrift, eilte seinem Sohne, ichaber noch denselben Abend dem schönen Warthe-Passe zu, wo sich diehohen Glatzcr Berge schließen, und Nieder-Schlesiens fruchtbare Ebenensich dem Wanderer eröffnen. Breslau war mein Reiseziel.

Dort saß ich zur bestimmten Stunde in einem großen Saale mit