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ßen die damaligen Corps-Schulen) zugelassen werden sollte, Carl v. H...dazu bestimmt wurde. Auch ich hatte mich gemeldet und dabei die ver-meintlichen Ansprüche meiner früheren dreijährigen Kadcttcnschaft geltendzu machen gesucht, wurde aber mit dem Bescheide, daß nur Einer perCompagnie zugelassen werden dürfte, abgewiesen.
Lieutenant Holschc, welcher sich gar gern in Opposition stellte, reizteund stachelte noch durch seine Bemerkungen, wie es ungerecht sei, michabzuweisen, und daß ich dieselben Rechte habe, wie Carl v. H., meinenjugendlichen Ehrgeiz so auf, daß ich mit Freuden die sich bald darbie-tende Gelegenheit erfaßte, auf außerordentlichem, leider undicnstlichemWege meine Wünsche geltend zu machen.
Des Generals von Scharnhorst Anwesenheit in Glast, ich glaubeim Juni oder Juli 1810, bot mir hierzu die beste Veranlassung; Holschcwar hierbei der Leitende, ich das Werkzeug. So begab ich mich einesMorgens sehr frühe in die Wohnung des allgewaltigen und Alles be-lebenden Generals, und wurde sehr bald in einen Salon eingeführt, womit festem Schritte der General mir entgegen trat und rasch nach mei-nem Begehren fragte. Es war mir aber unmöglich ein Wort heraus-zubringen; denn dicht vor mir stand ein Mann mit Sternen und Kreu-zen auf der Brust. Die Erinnerung aller Großthaten älterer und neue-rer Zeiten fuhr mir durch den Sinn, und in meiner Verblendung stot-terte ich nur etwas Unverständliches. Dieses brachte den General einenAugenblick aus seiner Ruhe und er fuhr mich etwas barsch an: „Nun,was wollen Sie denn eigentlich? Errathen kann ich's doch nicht." Jcsttwar's ganz um mich geschehen und ohne die freundliche Intervention ei-ner lieblichen Dame, einer Gräfin von Dohna, welche vom Frühstück-tisch herüber den General auf Französisch bat „des armen Kindes zuschonen," wäre ich ganz gewiß, ohne ein Wort gesagt zu haben, aufund davon gelaufen. „ Gehen Sie zu Hause und schreiben Sie mir auf,was Sie wollen," befahl nun der General in sehr sanftem Tone. Icheilte zu Holschc und theilte ihm das Resultat der eben gehabten Unter-redung mit. Er lächelte und dictirte mir augenblicklich eine Eingabe,welche schon den nächsten Morgen mit den, General nach Berlin abrci-setc. Sechs bange Wochen vergingen in Erwartung des Kommenden: