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1 (1862) Der chemische Prozess der Ernährung der Vegetabilien / von Justus von Liebig
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Rückblick.

ammoniakreicher Dünger das Wachsthum des blätterreichen Kopf-kohles befördert und verlängert, hindert derselbe die Entwicklungder Wurzeln der Turnipsrübe; auf Stellen, auf denen Mist-haufen lagen, treibt diese häufig nur Stengel und Blätter;unter denselben Verhältnissen treibt die Mangoldrübe die stärkstenWurzeln; die Blüthezctt dieser Pflanze wird hierdurch aufge-halten und verzögert.

Damit eine Pflanze blühe und Samen trage, scheint esbei vielen nothwendige Bedingung zu sein, daß die Thätigkeitder Blätter und Wurzeln eine gewisse Grenze, einen Ruhepnnkterreiche; erst von da an scheint die vegetative Thätigkeit nacheiner neuen Richtung die Oberhand zu gewinnen und die vor-handenen Säfte, wenn sie nicht weiter zur Ausbildung neuerBlätter und Wurzelfasern in Anspruch genommen werden, die-nen jetzt zur Bildung der Blüthe und Samen.

Mangel an Regen und damit an Zufuhr von Nahrungbeschränkt die Blattbildung und befördert die Blüthezeit beivielen Pflanzen. Trockne und kühle Witterung beschleunigt dieSamenbildnng. In warmen und feuchten Klimaten tragen dieCerealien im Sommer gcsäet wenig oder keinen Samen, undauf einem an Ammoniak armen Boden kommen die Wurzel-gewächse weit leichter zum Blühen und Samentragen, als aufeinem daran reichen.

Bei der Anwendung stickstoffreichcr Dünger muß darumder Landwirth den Zweck klar vor Augen haben, den er erreichenwill. Wie man einem Thier, wenn man es mästen und dabeigesund erhalten will, nicht mehr Futter täglich gibt, als es ver-dauen kann, so sollte es bei der Pflanze sein.

Der Dünger muß immer eine solche Beschaffenheit habe»,daß er der Pflanze die ihr angemessene Nabrnng in jeder Pe-riode ihres Wack'sthums darbietet. Pflanzen von längerer Ve-