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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Einleitung.

denartigsten Ursprung und Charakter, die großen Herren sowohl wie derniedere Adel und der Bürger, dem Hofe Fernstehende wie zu ihm Gehö-rige, Feinde wie Freunde der bestehenden Kirche, Alle erhoben sich ein-müthig gegen so viele Beschwerden und Mißbrauche; und die Mißbrauchefielen, die Beschwerden verschwanden wie die morschen Mauern einer ver-lassenen Stadt unter den ersten Schlägen der Belagerer.

Bei diesem Ausbruche des Zornes und der Hoffnungen der Nationfühlten einige sernsichtigere Geister, einige skrupulöser gewissenhafte Män-ner bereits etwas Unruhe. Die Rache entstellt nicht nur die Gerech-tigkeit sondern sie verändert auch ihr Wesen, und die aus ihr Recht stolzeLeidenschaft geht weiter als ihr Recht und selbst ihre Absicht reicht. Straffordwurde gerecht angeklagt und ungerecht gerichtet. Die Politiker, welchedas Verderben der Episcopalkirche nicht wollten, ließen die Bischöfe be-schimpfen und demüthigen wie Besiegte, die sich nicht wieder erheben wer-den. Die schlecht abgemessenen Schläge, die der Krone ihre Anmaßungenund ungerechten Ansprüche entrissen, verletzten sie in ihren rechtmäßigenPrärogativen. Ernste Vorfälle enthüllten, muthige Stimmen verkünde-ten den unter den Reformen verborgenen revolutionären Geist. Es hatden Revolutionen in ihrem Beginn nie an Warnungen und aus die Zu-kunft geworfenen Lichtstrahlen gemangelt. Aber die Nothwendigkeit undder Glanz des Sieges drängten das Gefühl dieser Fehler und die Ah-nung ihrer Gefahren bald wieder in den Hintergrund.

Als das Werk der Reform beendigt war, als die Beschwerden,welche den einstimmigen Tadel des Landes erregt, Abhilfe gesunden hat-ten , als die Gewalten. welche die Urheber dieser Beschwerden und dieMänner, die die Werkzeuge jener Gewalten gewesen, in den Staub ge-stürzt waren, veränderte sich die Scene und es erhob sich eine neue Frage.Wie sollte man diese Errungenschaften bewahren? wie sich vergewissern,daß England von nun an nach den Grundsätzen und Gesetzen, die es soeben wieder zur Geltung gebracht, regiert werden würde?

Die politischen Reformatoren begannen sich in Verlegenheit zu füh-len. Ueber ihnen befand sich der König, der, indem er ihnen nachgab,gegen sie conspirirte. Wenn der König in der Regierung die Macht wie-der handhabte, welche ihm die ausgeführten Reformen noch ließen, sowürde er sich derselben gegen die Reformen und Reforniatoren bedienen.Um sie her befanden sich ihre Verbündeten, die religiösen Neuerer, diePresbyterianer und Anhänger verschiedener Sekten, denen die politischenReformen noch nicht genügten und die in ihrem Hasse gegen die beste-hende Kirche nicht blos ihr Joch abzuschütteln, sondern dieselbe zu ver-nichten und ihr das ihre aufzulegen strebten. Um der Sicherheit ihresWerkes, um ihrer eigenen Sicherheit willen, wollten die Führer unter den