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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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55
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Einleitung.

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Gegen diese Fehler ihres Benehmens oder diese Mängel ihrerLage hatten die Whigs ein Hülfsmittel, von dem sie häufigen und trau-rigen Gebrauch machten: die Gefälligkeit für die Leidenschaften desVolkes. England besaß damals eine allgemeine, herrschende denSchrecken vor, und die Abneigung gegen, den Papismus. Das englischeVolk. welchem ein begründeter Instinkt sagte, daß es in diesem Punktedurch seinen König verrathen wurde, überschritt in seiner Leidenschaft-lichkeit alle Schranken der Vernunft, Gerechtigkeit und Menschlichkeit.Die politische und gerichtliche Verfolgung der Katholiken wurde dreiJahre lang das Verbrechen eines wüthend gläubigen Volkes und einesfeig ungläubigen Königs. Die Whigs vereinigten sich mit dieser Leiden-schaftlichkeit oder gaben ihr nach, gleich den Tories. Sie hatten übrigensdas Unglück, zur Macht zu gelangen, als eben die ersten Anfälle derVolkswuth gegen die Katholiken nachzulassen begannen, und einer Reaktionzu Gunsten der Vernunft und Billigkeit wichen. So hatten sie mehrnoch wie ibre Nebenbuhler die Strafe dieser Reaktion und die Last desgeheimen Zornes des Königs, der Gefallen daran fand, sich an ihnenwegen der Frevel zu rächen, denen Widerstand zu leisten er nicht muthiggenug gewesen war, zu ertragen.

Ihre Lage in Bezug auf die äußern Angelegenheiten des Landeswar weder einfach noch sicher. Während sie sich gegen die knechtischeVertrautheit des Königs mit dem französische» Hofe auflehnten, erhieltenmehrere ihrer Führer selbst von Ludwig XkV. Gunstbezeugungen undPensionen, welche die Einen aus Verderbtheit annahmen, denn die Volks-partei besaß ihre Wüstlinge so gut, wie die des Hofes, andere vonVaterlandsliebe und Ehre Erfüllte aber in der trügerischen Hoffnung,die ihnen von einem fremden Souverän zukommenden Mittel des Ein-flusses für den Sieg der Freiheiten ihres Vaterlandes zu verwenden. Esist ein gefährliches Bemühen, im Auslande gebeime Kräfte zu suchen,um auf die innern Angelegenheiten des eignen Landes einzuwirken.Selbst die Fähigsten laufen große Gefahr, auf diese Weise vielmehr denPlänen des Auslandes, als ihren eignen zu dienen, und Ludwig XlV.zog für seine Politik weit mehr Nutzen aus seinen Verbindungen miteinigen Häuptern der Whigs, als diese selbst in der geheimen Unter-stützung Vortheil fanden, die er ihnen gewährte, um Danby zu stürzenund die Auflösung des langen Parlaments der Kavaliere zu bewirken.Mitten in dieser für sie mit eben so vielen Verlegenheiten und Gefahrenverknüpften Lage unternahmen es die Whigs, die Thronfolgeordnung zuverändern, und durch einen Parlamentsakt den rechtmäßigen Thron-folger davon auszuschließen. Dies hieß im Voraus eine Revolution aus-führen, die auf begründete aber fernliegende Konjecturen gestützt war,