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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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65
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Einleitung.

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von Wilhelm und Marie, Prinzen und Prinzessin vonOranien,aufdenenglischen Thron, aussprach; und am 13. Februar 1689 erfolgtein den wichtigsten Stadttheilen von London unter allgemeinem Jubeldie officielle Proklamation dieses Parlamentsactes.

Es ist das Heil der Völker, wenn sie in den Tagen der Krisisihres Schicksals die Rathschläge, welche ihnen Gott in den Ereignissenihres Lebens gegeben hat, verstehen, und bald durch Unterweisung,bald durch die That in Ausübung bringen. England hatte durch seineersten Prüfungen gelernt, daß die Revolution an sich eine ungeheureund unbekannte Ordnungsstörung ist, die der Gesellschaft große Leiden,große Gefahren, große Verbrechen auferlegt, und in die sich ein ver-nünftiges Volk wohl einmal zu fügen gezwungen sehen kann, die esaber bis zur Stunde der unbedingten Nothwendigkeit fürchten und zu-rückweisen muß. Hieran erinnerte sich England in seinen neuen Prüfun.gen. Es ertrug viel, es sträubte sich lange, um einer abermaligen Revo-lution zu entgehen, und ergab sich darein nur in der äußersten Noth,als es kein anderes Mittel zur Rettung seines Glaubens, seiner Rechteund seiner Ehre mehr vor sich sah. Es ist der Ruhm der Revolutionvon 1688, daß sie eine That der reinen Nothwehr war, und hierinliegt der Hauptgrund ihres Gelingens.

Ihrem Prinzip nach defensiv, war diese Revolution zu gleicherZeit auch in ihrem Zwecke bestimmt und begrenzt. Bei den großen Er-schütterungen der Staaten werden zuweilen die Menschen von einem all-gemeinen, übermächtigen, frevelhaften Triebe des Ehrgeizes ergriffen;sie glauben das Recht und die Macht zu haben, die Hand an Alles zulegen, und die Welt nach ihrem Belieben umzugestalten. Es giebt nichtsUnsinnigeres und Nichtigeres, als diese wirren Uebereilungen des erschaf-fenen Menschen, der, das große System, in dessen Schoße ihm seineStelle bezeichnet ist, als ein Chaos betrachtend, sich zum Schöpfer aus-zuwerfen sucht, und nur dazu gelangt, in Alles, was er berührt, dieVerwirrung seiner eigenen Träume zu bringen. England versank imJahre 1688 nicht in diese Verwirrung; es nahm sich nicht heraus, dieGrundlagen der Gesellschaft, und die Bestimmung der Menschheit abän-dern zu wollen; es vindicirte und behauptete einen Glauben, Gesetzeund positive Rechte, auf die sich seine Ansprüche und Gedanken beschränk-ten. Es führte eine zugleich stolze und bescheidene Revolution aus, diedem Lande neue Häupter und Bürgschaften gab, sich aber, sobald diesesZiel einmal erreicht war, als befriedigt betrachtete, und stehen blieb, nichtsGeringeres als dies wollte, aber auch darüber hinaus keine Ansprüchemachte.

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