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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Einleitung.

Diese Revolution wurde nicht durch Aufstände des Volkes, sonderndurch organisirte politische Parteien bewirkt -- Parteien, die schon langevor der Revolution zum Zwecke einer geregelten Regierung, nicht aberin einem revolutionären Geiste organisirt worden waren. Weder die To-nes noch selbst die Whigs, trotz der mit ihnen vermischten revolutionärenElemente, hatten sich gebildet, um die bestehende Ordnung umzustürzen.Es waren legal politische, nicht aber Verschwörungs- oder Aufstands-parteien. Sie wurden daraus geführt, die Regierung des Landes abzu-ändern; sie waren nicht zu diesem Zwecke entstanden, und kehrten ohneAnstrengung zur Ordnung zurück, nachdem sie diese, nicht aus Gewohn-heit, noch aus Neigung, sondern von der Nothwendigkeit getrieben, aufeinen Augenblick verlassen hatten.

Das Verdienst und die Last der Revolution fiel nicht blos einerdieser einander lange entgegenstrebenden Parteien allein zu; sie nähertensich einander und vereinigten sich um dieselbe auszuführen. Sie war zwi-schen ihnen ein Werk des Vertrags und der gemeinsamen Nothwendig,keit, nicht eine Niederlage oder ein Sieg; die Gefühle der Whigs oderTories bei ihrem Herankommen und ihrer Ausnahme waren verschieden,aber Alle fügten sich darein, und nahmen an ihr Theil.

Man hat in Frankreich, und selbst in England oft gesagt, daß dieRevolution von 1688 ein wesentlich aristokratisches, nicht ein volksthüm-liches, ein durch die Combinationen und zum Vortheil der Hähern Klas-sen, nicht aber durch den Antrieb und für das Wohl des ganzen Volkesgeschehenes Werk gewesen sei.

Dies ist eins von den vielen bemerkenswertsten Beispielen der Ver-wirrung der Ideen und des Vergessens der Thatsachen, welche so oft dieBeurtheilung großer Ereignisse leiten.

Die Revolution von 1688 hat im Reiche der Politik die beidenvolksthümlichsten Dinge, welche die Geschichte kennt, gethan: sie hat ei-nerseits die persönlichen und allgemeinen Rechte der einfachen Bürger,andrerseits die thätige und entscheidende Theilnahme des Landes an sei-ner Regierung ausgesprochen und garantirt. Wenn eine Demokratienicht weiß, daß dies Alles ist, was sie zu verlangen ein Bedürfniß undRecht hat, so verkennt sie ihre höchsten Interessen, und wird wedereine Regierung zu begründen, noch ihre eigenen Freiheiten zu bewah-ren wissen.

Im Reiche der Moral hatte die Revolution von 1688 einen nochvolksthümlicheren Charakter; sie wurde im Namen und durch die Machtdes religiösen Glaubens des Volkes, für dessen Sicherheit und Herrschaft,bewirkt. In keinem Lande und keiner Epoche hat der Glaube der Mas-sen größeren Einfluß auf das Loos ihrer Regierung geübt.