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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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1. Buch.

Lage der Gemeine«.

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Grundrechte anerkennen zu lassen und einige noch unvollkommene schwan-kende Bürgschaften zu erlangen. Ihre Ideen hatten sich nie bis zu demGlauben erhoben, daß es ihnen zustehe, an der Souverainetät rheil-zunehmen und dauernden und entschiedenen Einfluß auf die Regierungdes Landes zu üben. Damals geziemten nur den Baronen so hochflie-gende Pläne.

Im 16. Jahrhundert waren die Gemeinen so gut, wie die Ba-rone, durch die Bürgerkriege herabgekommen und verarmt und bedurftenvor Allem der Ordnung und Ruhe, die ihnen das Königthum, wennauch noch sehr unvollkommen, doch sicherer und geordneter verschaffte,als sie sie je gekannt hatten. Sie nahmen die Wohlthat begierig unddankbar an. Von ihren frühern Häuptern getrennt und dem Throneund den ihnen einst verbündeten Barone» fast allein gegenüber, war ihreSprache bescheiden, ihr Benehmen schüchtern, und der König konntesich dem Glauben hingeben, daß das Volk von jetzt an eben so lenksamsein werde, wie der hohe Adel.

Aber das Volk war in England nicht, wie auf dem Kontinente,eine locker verbundene Vereinigung von Bürgern und langsam zur Frei-heit gelangenden und noch von der Last ihrer früheren Knechtschaft ge-beugten Bauern; seit dem 14 Jahrhunderte hatte sich mit ihm der größteTheil des Feudal-Adels und alle Besitzer von kleinen Lehen vermischt, diezu wenig Einfluß und Reichthum besaßen um mit den Baronen die sou-veräne Gewalt zu theilen, aber stolz auf den gleichen Ursprung und langeschon im Besitz der gleichen Rechte waren. Seit sie zu den Häuptern derNation wurden, hatten sie ihr mehr als einmal eine Macht und besonderseine Kühnheit verliehen, deren die Bürger allein unfähig gewesen seinwürden. Gleich diesen durch die langen Leiden der Bürgerkriege geschwächtund herabgekommen, nahmen sie im Schoße des Friedens bald wieder ihreWichtigkeit und ihren Stolz an. Während sich der hohe Adel dem Hofe zu-drängte, und um seine Verluste auszugleichen, dessen geliehene und ebenso sittenverderbliche als unsichere Würden annahm, die, ohne ihm seinen frü-hern Reichthum wiederzugeben, ihm dem Volke immer mehr entfremdeten,nahmen der niedere Adel, die Medial--Besitzer und Bürger, welche nurdarauf bedacht waren, ihre Güter und Kapitalien nutzbar zu machen, anReichthum und Ansehen zu, verbanden sich täglich enger, zogen das ganzeVolk unter ihren Einfluß und bemächtigten sick ohne Aufsehen, ohnepolitische Absicht, und fast ohne es selbst zu wissen, gemeinschaftlich allersocialen Kräfte der wahren Quellen der Macht.

In den Städten entwickelten sich Handel und Gewerbfleiß mitreißender Schnelle. Die City von London erwarb ungeheure Reich-thümer. Der König, der Hos und fast alle Vornehmen des Reiches

Suizot, d