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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Vermählung Karl I.

1. Buch,

Von Kindheit auf in diesen Ansprüchen und Grundsätzen erzogen,wurde Prinz Karl, als er zum Mannesalter gelangte, ihrer Einwir-kung noch stärker ausgesetzt. Er war mit der Jnfantin von Spanienverlobt, und der Herzog von Buckingham brachte ihn aus die Idee, ins-geheim nach Madrid zu gehen und sich selbst um ihre Liebe und Handzu bewerben. Ein so chevaleresker Plan entzündete die Phantasie desJünglings. Zur Ausführung desselben war die Zustimmung des Königsnöthig. Jakob weigerte sich, wurde zornig, weinte und gab endlich nichtsowohl seinem Sohne, als seinem Günstlinge nach. Karl wurde in Ma-drid höchst ehrenvoll ausgenommen und erblickte dort in allem seinemGlänze das majestätische, souveräne Königthum, welches bei seinenDienern und dem Volke fast religiöse Hingebung und Ehrerbietungfand, selten Widerspruch erfuhr und stets sicher war, am Ende durchseinen bloßen Willen über alle Gegner zu siegen. Die VermählungKarls mit der Infantil! zerschlug sich, dafür vermählte er sich aber mitder Prinzessin von Frankreich, Henriette Marie (im Juni 1625), dasein Vater außer diesen beiden Höfen keine der Würde seines Thronesentsprechende Verbindung finden zu können glaubte. Der Einfluß dieserEhe auf den englischen Prinzen war derselbe, welchen sein Aufenthalt inSpanien bereits ausgeübt hatte, und das Königthum von Paris undMadrid wurde in seinen Augen das Bild der natürlichen und rechtmäßigenStellung eines Königs.

So folgte die englische Regierung, wenigstens was den Monar-chen, seine Rathgeber und seinen Hof betraf, demselben Hange, wie diedes Festlandes. Auch hier verrieth Alles die Symptome und Bestrebun-gen der anderwärts bereits vollendeten Revolution, die selbst da, woihre Ansprüche am bescheidensten auftraten, die Freiheiten der Untertha-nen nur als untergeordnete Rechte, als gnädige Zugeständnisse des Herr-schers, bestehen ließ.

Während es aber diese Revolution auf dem Festlande mit Völkernzu thun hatte, die ihr noch nicht zu widerstehen vermochten und dieservielleicht selbst geneigt waren, hatte in England schon eine im Stillenin der bürgerlichen Gesellschaft begonnene Gegenrevolution den Bodenunter dem Fuße der reinen Monarchie ausgehöhlt und mitten in ihrenFortschritten ihren Sturz vorbereitet.

Als bei der Thronbesteigung der Tudors der hohe Adel sich vordem Throne beugte und demüthigte, waren die englischen Gemeinennoch nicht im Stande, an dem Kampfe der Freiheit gegen die Machttheilzunehmen und würden nicht einmal auf diese Ehre Anspruch zumachen gewagt haben. Im 14. Jahrhunderte, wo sie ihre schnellstenFortschritte machten, hatten sich ihr Streben daraus beschränkt, ihre