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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Die Königin.

2. Buch.

und sie rechnete darauf, sobald sie das Parlament nicht mehr fürchtete.Mit lebhaftem, angenehmem Geiste begabt, erlangte sie über den jungen,sittenreinen König bald eine Herrschaft, die er mit einer Art von Erkennt-lichkeit und wie gerührt, daß sie sich herbeiließ, sich bei ihm wohl zufühlen, aufnahm. Aber das dem ernsten Geiste Karls theure häuslicheGlück genügte dem leichtfertigen, unruhigen, gemüthlosen CharakterHenriette Mariens nicht. Sie bedurfte einer anerkannten, anmaßendenHerrschaft, der Ehre, Alles zu wissen, Alles zu ordnen, kurz der Macht,wie sie sich ein launenhaftes Weib wünscht. Um sie schaarten sich einer-seits die Papisten, andrerseits die Frivol-Ehrgeizigen, die Jntriguantenund jungen Höflinge, die in Paris gewesen waren, um ihr gefallen zulernen. Beide behaupteten nur von ihr ihr Glück, oder ihren Triumph,oder doch wenigstens ihre Glaubensfreiheit zu erwarten. In ihrem Hauseverhandelten die Katholiken und römischen Sendlinge ihre geheimstenHoffnungen, hier trugen ihre Günstlinge die Ideen, Sitten und Modender Höfe des Continents zur Schau. Hier war Alles den Ansichten undGewohnheiten des Landes fremd und zuwider. Hier gaben sich täglichPläne und Ansprüche kund, die nur durch ungesetzliche Maßregeln odermißbräuchliche Begünstigungen zur Geltung kommen konnten. Die Kö-nigin nahm an diesen Intriguen Theil, versprach ihnen Erfolg, fordertedieselben vom Könige, verlangte sogar, daß er, um sie, ihrem Ausdruckenach, in den Augen des Volkes zu ehren, sie bei jeder Gelegenheit zuRathe ziehe und nichts ohne ihren Willen thue. Wenn der König ihreWünsche abschlug, beschuldigte sie ihn heftig, weder lieben noch regierenzu können, und Karl dachte dann an nichts mehr, als ihre Traurigkeitoder ihren Zorn zu zerstreuen, und fühlte sich glücklich, sie für seine Machtoder über seine Liebe in Unruhe zu sehen.

Es würde den knechtischsten Räthen Mühe gekostet haben, dieselaunische Herrschaft ohne Widerstand zu ertragen. Karl besaß derenzwei, denen es weder an Einsicht, noch an Selbständigkeit mangelte, unddie seiner Macht ergeben, ihr dabei doch anders dienen wollten, als esden Launen einer Frau und den Ansprüchen eines Hofes zusagte.

Strafford hatte, als er seine Partei verließ, um zu dem Köngeüberzugehen, weder feste Grundsätze aufzuopfern, noch sein Gewissen feigzu verrathen gebraucht. Von leidenschaftlichem Ehrgeize erfüllt, war eraus Haß gegen Buckingham, aus Ruhmsucht, um sein Talent und seineKraft glänzend entwickeln zu können, weniger aber aus tiefer, redlicherUeberzeugung zur Volkspartei getreten. Sein Zweck, oder vielmehr dasBedürfniß seiner Natur, war es, zu handeln, zu steigen, zu herrschen.In den Dienst der Krone getreten, nahm er sich ihrer Macht an, wiefrüher der Freiheiten des Landes, aber ernsthaft, aufrichtig, als talent-