2. Buch.
Strafford. Laud.
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voller, redlicher Minister, nicht als frivoler, unterwürfiger Höfling. Mitzu umfassendem Geiste begabt, um sich auf Hofintriguen zu beschränken,und zu stolz, um sich den Kleinlichkeiten des Palastes zu fügen, gab ersich den Geschäften mit Leidenschaft hin, bot allen Rivalitäten Trotz undunterdrückte jeden Widerstand, bestrebte sich eifrig, das zu dem seinengewordene königliche Ansehen auszudehnen und zu befestigen, zu gleicherZeit aber auch die Ordnung wieder herzustellen, Mißbrauche zu unter-drücken, die Privatintereffen, welche er für unrechtmäßig hielt, einzu-schränken, die allgemeinen, welche er nicht fürchtete, zu befördern. Erwar ein heftiger Despot, in seinem Herzen aber die Liebe für das Va-terland, sein Gedeihen und sein Ruhm nicht erstorben. Und er begriff,unter welchen Bedingungen, durch welche Mittel die absolute Gewalt er-kauft werden muß. Eine willkürliche, aber starke, beständige, aufmerksame,die Volksrechte verachtende, aber aus den Wohlstand des Volkes bedachte,den kleinen Mißbräuchen und unnützen Hebelgriffen fremde. Große wieKleine, den Hof und das Volk, ihrem Willen und Plänen unterordnendeRegierung war sein Wunsch, der Charakter seines Benehmens und der-jenige , welchen er sich der Regierung des Königs einzuflößen bemühte.
Straffords Freund, der Erzbischos Laud, brachte bei wenigerweltlichen Leidenschaften und uneigennützigerem Enthusiasmus die gleichenAnsichten und Pläne in den Staatsrath mit. Von strenge» Sitten undeinfacher Lebensweise flößte ihm die Macht, mochte er ihr nun dienen,oder sie selbst ausüben, eine fanatische Ergebenheit ein. Befehlen undstrafen hieß in seinen Augen die Ordnung herstellen, und die Ordnungerschien ihm stets auch als die Gerechtigkeit. Seine Thätigkeit war un-ermüdlich, aber engherzig, gewaltsam und hart. Eben so unfähig, In-teressen mit Schonung zu behandeln, wie Rechte zu achten, verfolgte errücksichtslos die Freiheiten wie die Mißbräuche und setzte den Einen einestrenge Rechtschaffenheit, den Andern einen blinden Haß entgegen. Erwar kurz angebunden und aufbrausend gegen die Höflinge, wie gegen dieBürger, suchte keines Menschen Freundschaft, erwartete und ertrug keinenWiderstand, war überzeugt, daß die Macht in reinen Händen für Alleshinreiche, und beständig einer fixen Idee zur Beute, die ihn mit der Hef-tigkeit der Leidenschaft und der Gewalt der Pflicht beherrschte.
Solche Rathgeber entsprachen der neuen Lage Karls trefflich.Dem Hose fremd, kümmerten sie sich weniger darum, diesem zu gefallen,als ihrem Herrn zu nützen, und besaßen weder die Prunkende Unver-schämtheit, noch die müßigen Ansprüche der Günstlinge. Sie waren be-harrlich, kühn, arbeitsam und ergeben. Kaum war die Regierung IrlandsStraffords Händen anvertraut worden, als auch dieses Reich, welchesbisher für die Krone ein Hemmniß und eine Last gewesen war, zu einer