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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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2. Buch.

Hofintriguen.

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Conflicte persönlicher Interessen kann ein geschickter Jntriguant diese-nigen, welchen er nützt, denen, die er kränkt, mit Erfolg entgegenstellen.Wer aber durch den Despotismus oder die Gesetze, im Interesse desFürsten oder des Volkes, regieren will, hat den Haß aller Höflinge zuerwarten. Dieser erhob sich gegen Strafford und Land eben so heftigund lästiger wie der der Nation. Bei dem ersten Erscheinen Straffordsin Whitehall hatte schon ein spöttisches Lächeln die plötzliche Erhöhung undetwas rauhen Manieren des fast nur durch seine Opposition im Parlamentebekannten Provinzial-Edelmannes empfangen. Die strengen Sitten, dietheologische Pedanterie und rücksichtslose Heftigkeit Lauds mißfielendort nicht weniger. Beide waren stolz, rücksichtslos, nicht eben nachgiebig,von Verachtung gegen die Intriguen erfüllt, riechen zur Sparsamkeit,und sprachen von Geschäften und Nothwendigkeiten, um die sich ein Hosnicht kümmert. Die Königin wurde ihnen abgeneigt, denn sie hemmtenihren Einfluß beim Könige, der hohe Adel nahm an ihrer Macht Anstoß,und bald vereinigte sich der ganze Hof mit dem Volke, um sie anzufeinden,und schrie wie dieses über ihre Tyrannei.

Karl verließ sie nicht. Er setzte in ihre Ergebenheit und TalenteVertrauen, ihre Grundsätze sagten ihm zu, und er fühlte für die tiefe Fröm-migkeit Lauds eine sogar mit etwas Zuneigung gemischte Achtung. Wennsie Karl aber auch, trotz des Hofes, in seinem Dienste behielt, so war erdoch außer Stande, den Hof ihrer Herrschaft zu unterwerfen. In seinenGesinnungen und seinem äußern Leben ernst, war er im Grunde doch zuleichtsinnig und mit zu wenig Talent begabt, um die Schwierigkeiten derabsoluten Gewalt und die Nothwendigkeit, ihr Alles zu opfern, begreifenzu können. Die Rechte des Königthums waren in seinen Augen von derArt, daß es ihm schien, als ob nichts demselben eine Anstrengung kostendürfe. Im Staatsrathe beschäftigte er sich regelmäßig und aufmerksammit den öffentlichen Angelegenheiten, sobald die Pflicht aber erfüllt war,dachte er wenig mehr daran, und das Bedürfniß des Regierens übte aufihn weniger Gewalt aus als das Vergnügen des Herrscheus. Die guteoder schlechte Laune der Königin, die Gewohnheiten des Hofes, die Rechteder Palastbeamten erschienen ihm als wichtige Rücksichten, die über denpolitischen Interessen seiner Krone nicht in Vergessenheit gerathen durf-ten. Hieraus ergaben sich für seine Minister kleine, aber beständige Ver-legenheiten , in denen sie der König unterliegen ließ, da er für sie undsich genug gethan zu haben glaubte, wenn er ihnen ihre Aemter nichtnahm. Sie sollten die absolute Gewalt ausüben, und doch fehlte es ih-nen dazu an Kraft, sobald sie ein häusliches Opfer oder eine den For-men und Regeln von Whitehall widersprechende Maßregel verlangten.Strafford mußte sich, so lange seine Herrschaft in Irland dauerte, in Er-