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Land.
2. Buch.
Quelle des Reichthums und der Kraft für dieselbe wurde. Die Staats-schulden wurden bezahlt, die bisher regellos erhobenen und schamlos ver-schleuderten Staatseinkünfte regelmäßig verwaltet, so daß sie sich baldüber die Ausgaben erhoben, die Vornehmen hörten auf, das Volk unge-straft zu belästigen, und die aristokratischen oder religiösen Parteien, ein-ander ungestört zu zerreißen. Das Heer, welches Strafford schwach,entblößt und undisciplinirt gefunden hatte, wurde verstärkt, gut disci-plinirt und bezahlt, und hörte aus, das Volk zu plündern. Unter demSchutze der Ordnung gedieh der Handel, bildeten sich die Gewerbe ausund machte der Ackerbau Fortschritte. Kurz Irland wurde willkürlich,hart, oft selbst mit hassenswerther Gewaltsamkeit, aber im Interesse derCivilisation und der königlichen Macht regiert, statt wie bisher der Hab-sucht der Fiscalbeamten und der Herrschaft einer egoistischen, unwissendenAristokratie zur Beute zu dienen.
Land, der in England, was die Civilangelegenheiten betraf, mitweniger umfassender und concentrirter Gewalt bekleidet, übrigens auchweniger talentvoll war als Strafford, unterließ jedoch nicht, ein ganzanaloges Benehmen zu verfolgen. Als Kommissar der Schatzkammerunterdrückte er nicht nur die Zersplitterung der Staatsgelder, sondernbemühte sich auch die verschiedenen Zweige der Staatseinkünfte kennenzu lernen, und zu erforschen, durch welche Mittel das Einziehen derselbenweniger lästig für die Unterthanen gemacht werden könne. In der Zoll-verwaltung hatten sich verhaßte Hindernisse, ernste Mißbräuche zu Gun-sten von Sonder-Jntcressen eingeschlichen; Laud nahm die Vorstellungender Kaufleute an, verwendete seine Mußestunden darauf, sich mit ihnenzu unterhalten, klärte sich über die allgemeinen Interessen des Handelsauf und befreite ihn von Hudeleien, die dem Schatze keinen Vortheilbrachten. Später wurde das Amt des Großschatzmeisters auf seinenRath dem Bischöfe von London, Juxon, gegeben, einem arbeitsamen, ge-mäßigten Manne, der den Unordnungen ein Ende machte, unter welchendie Krone so gut wie die Bürger zu leiden hatten. Um, wie er glaubtedem Könige und der Kirche zu nützen, konnte Laud das Volk unter-drücken und die ungerechtesten Rathschläge geben, wenn es sich aberweder um den König, noch um die Kirche handelte, so wollte er dasGute, suchte er die Wahrheit und verharrte darin ohne Furcht für sichoder Rücksicht gegen Andere.
Diese rechtschaffene, fleißige und aufmerksame, aber willkürliche, imNothfall tyrannische und alle Verantwortlichkeit weigernde Regierung warzu wenig für das Land, für den Hof aber viel zu viel. Hier können wohlGünstlinge ihr Glück machen, die wie Buckingham, wenn sie auch aufFeinde stoßen, sich doch dort ebenfalls Freunde erwerben; und in diesem