Buch 
Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
Entstehung
Seite
153
JPEG-Download
 

3. Buch.

Das Parlament regiert.

153

es bedeutenderer und schneller einlaufender Einkünfte. Die Kammernahm in ihrem Namen bei ihren Freunden in der City. ja selbst beiihren Mitgliedern, auf die bloße Bürgschaft ihrer Versprechen, An-leihen aus, und so entstand der öffentliche Credit. Der König drangauf die Entlassung der beiden Heere, besonders des schottischen, indemer sich mit Vortheil auf die Last berief, welche ihr Bestehen den nörd-lichen Grafschaften auferlege. Die Kammer brauchte dieselben jedoch,und fühlte sich im Stande, dem Volke diese Last annehmbar zu machen.Die Philister," sagte Mr. Strode,sind noch zu stark für uns; wirkönnen unsere Verbündeten nicht entbehren." Man wich den Vorstellun-gen des Königs aus, und bewies bei der Vertheilung der für die Be-zahlung derselben angewiesenen Gelder den Schotten sogar größereGunst, als den englischen Truppen, deren Offiziere dem Parlamentenicht so viel Vertrauen einflößten, Einige bewiesen darüber Unwillen,die Kammer kümmerte sich aber nicht darum. Mehr noch, sie verfügte,daß die Schotten den Engländern brüderlichen Beistand geliehen unddaher den Namen von Brüdcrn erhalten sollten, und bewilligte für siezur Schadloshaltung und Belohnung eine Summe von 300,000 Pfd.Sterling. Die Friedensverhandlungen mit Schottland wurden viel mehrdurch ein Comite des Parlaments als durch die Minister des Königsgeführt. Die Leiter der beiden Häuser, besonders des Unterhausesspeisten täglich auf gemeinschaftliche Kosten bei Pym, wo die schottischenKommissäre, die Verfasser der hauptsächlichsten Petitionen und die ein-flußreichsten Männer der City, mit ihnen zusammenkamen und alle An-gelegenheiten der Kammern und des Staates verhandelt wurden. AlleGewalt strömte dem Parlamente so zu, daß die Räthe der Krone, ihm,unfähig oder aus Furcht allein die geringste Frage zu entscheiden,Alles vortrugen, ohne daß es sich die Mühe nahm, dies zu verlangen.Ein katholischer Priester, Namens Goodman, war zum Tode vecurtheiltworden, und der König, der ihn nicht zu begnadigen wagte, stellte sein Lebenzur Verfügung der Gemeinen, was das einzige Mittel zu seiner Ret-tung war, da sie sich, trotz ihrer Leidenschaftlichkeit, doch nicht blutdürstigbewiesen. Das Volk hatte seinen Haß aus die Mutter der Königin,Maria von Medicis, geworfen, die damals in London Zuflucht gesucht,und täglich umringte die Menge ihr Haus und überhäufte sie mitSchmähungen und Drohungen. Man wendete sich an die Gemeinen,um zu erfahren, ob sie in England bleiben und wie man über ihre Si-cherheit wachen könne. Sie antworteten, daß ihre Entfernung räthlichsei, bewilligten 10,000 Pfd. St. für ihre Reise, und ihr Wunsch wurdesofort ausgeführt. Seit lange schon erlassene und ausgeführte Urtheileder Gerichtshöfe fielen so gut wie die Parlamentsangelegenheiten des