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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Karl in Schottland.

3. Buch.

bis seine Ehre gerächt sein würde. Das Parlament blieb aber fest undumsichtig, verweigerte jede unüberlegte Entscheidung und ordnete eineUntersuchung an. Nachdem der damit beauftragte Ausschuß eine Mengevon Zeugen abgehört, stattete er seinen Bericht ab, und es wurde, ohneauf Einzelheiten einzugehen, erklärt, daß der König zu keiner Genug-thuung, die Flüchtlinge zu keiner Furcht Anlaß hätten. Sie kehrtenin das Parlament zurück, schwiegen eben so wie Karl über das Vergan-gene, und das Publikum erfuhr weiter nichts.

Weder die eine noch die andere Partei war geneigt, es darüber auf-zuklären; für sie war aber Alles klar genug. Der König hatte in demAugenblicke, wo er sich, um Schottland gegen England zu gewinnen, zuso vielen Opfern entschloß, in beiden Reichen auf das Verderben seinerFeinde gesonnen. Ueberzeugt, daß die Richter nicht umhin können wür-den, die Correspondenz der englischen Unzufriedenen mit den schottischenCvvenantern, welche dem letzten Einfalle vorhergegangen war, und den-selben vielleicht herbeigeführt batten, als Hochverrath zu beurtheilen,war er selbst gekommen, um Beweise dafür zu suchen, und nach seinerRückkehr die Anklage gegen die Häupter der Gemeinen zu erheben, welcheStrafford, dem sie zuvorgekommen waren, nicht einmal hatte ankündigenkönnen. Ein junger, kühner Edelmann, der anfangs dem Covenant er-geben gewesen, aber später wieder zum König zurückgekehrt war, derGraf von Montrose (geb. 1612), hatte sich anheischig gemacht, ibm dieseso ersehnten Dokumente zu verschaffen. Karl war auf sein Wort hin ab-gereist, der Argwohn der Schotten aber durch einen von Argyleaufgefangenen Chiffre-Brief erregt worden, und der König fand bei sei-ner Ankunft Montrose im Gefängniß. Durch seine Gefahr noch mehrangespornt und von Rachedurst beseelt, ließ ihm der Graf sagen, daß eribm, wenn er ihn sehen könne, seine wahren Feinde und deren frühereIntriguen kennen lehren würde. Durch Vermittelung einiger Vertrau-ten verließ Montrose insgeheim sein Gefängniß, begab sich bei Nacht indas Zimmer des Königs, theilte ihm Alles, was er wußte, mit, klagteHamilton an, sich eben so wie Argyle bei den Intriguen der Mißver-gnügten betheiligt zu haben, versicherte dem König, daß sich in ihrenPapieren die Beweise dafür finden würden, und forderte ihn endlich auf,sich dieser beiden Parteiführer schleunigst zu versichern und ihrer, wennsie Widerstand leisten sollten, sogar zu entledigen. Karl, bei dem toll-kühne Ideen stets schnellen Eingang fanden, willigte, ohne an die Wir-kung zu denken, die eine solche Gewaltthat auf das Volk, welches er sichzu gewinnen bemühte, hervorbringen mußte, in Alles. Das Complotbegann unter dem Deckmantel der erwähnten Bewilligungen, und Alleswar zur Ausführung bereit, als die beiden Lords, noch bei Zeiten be-