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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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3. Buch.

Unterhandlungen.

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nur ein Frauenzimmer ist, morgen ihrer fünfhundert." Er begab sichin die Kammer um deren Befehle entgegenzunehmen und forderte siebei seiner Rückkehr gütlich auf, sich zu entfernen. Zwei Tage späterkamen sie aber wieder, hatten Anna Stagg. die Frau eines reichenBrauers zur Vorsprechen« gewählt und überbrachten eine Petition, inder sie ihre Beweggründe auseinandersetzten.Ein solcher Schritt,"sagten sie darin,ist für unser Geschlecht nicht unziemlich. Christus hatuns eben so theuer erkauft als die Männer. Wir leiden, wie diese, unterden Unglücksfällen des Staates; wir haben, wie sie, ein Leben zu er-halten und eine Seele zu retten. Wir thun dies weder aus Eitelkeitoder Stolz des Herzens, noch um uns den Männern an Ansehen oderWeisheit gleich zu stellen, sondern um so viel an uns liegt, das, waswir Gott, seiner Kirche und unserm Vaterlande schuldig sind, abzutra-gen." Die Petition wurde angenommen und Pym trat zu ihnen hinaus,um darauf zu antworten. Sie stellten sich um ihn vor der Thüre auf.Wackere Frauen," sprach er zu ihnen," Eure Petition ist vorgelesenworden, das Haus dankt Euch dafür. Wir beschwören Euch, nach Hausezurückzukehren und Eure Petitionen in Gebete für den Erfolg unsrerArbeiten zu verwandeln. Wir sind stets bereit gewesen und werden esstets sein, Euch, Eure Männer und Kinder zu vertheidigen." Sie zogensich ohne Lärm zurück und boten dadurch ein merkwürdiges Beispiel vonZurückhaltung bei den Verwirrungen des Enthusiasmus, und von mora-lischem Ernst bei Partei-Manövern.

Diese Petittonen waren säst gleichlautend und verlangten alleReform der Kirche, Züchtigung der Papisten und Unterdrückung derSchlechtgesinnten. Einige thaten noch mehr, sie richteten sich gegen dasUebel des Augenblicks und bedrohten offen das Oberhaus.Man mögediejenigen edeln Lords," sprach man zu den Gemeinen,welche bei Euer»wohlthätigen Beschlüssen mitwirken wollen, bitten, sich mit dieser ehren-werthen Kammer zu vereinigen, um mit ihr in einem einzigen Körperzu sitzen und zu stimmen. Hierdurch werden alle unsere Befürchtungenzerstreut und den Schlägen vorgebeugt werden, welche selbst die freund,lichstgesinnten Menschen endlich aus Verzweiflung versuchen dürften."Wir haben nie am Hause der Gemeinen gezweifelt," schrie das Volkan den Thüren von Westminster,aber wie es heißt, wird im Hause derLords alles aufgehalten. Man gebe uns die Namen derjenigen, welchedie Eintracht zwischen den guten Lords und den Gemeinen hindern,dann werden wir schon Ordnung stiften." Selbst im Schoße des Ober-hauses wurde die Sprache der Parteien zu der des Krieges.Wer sichweigert, sich in der Milizsache den Gemeinen anzuschließen," sagte derGraf von Northumberland,ist ein Feind des Staates." Als man ihn

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