3. Buch.
Bildung der Heere.
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selbe; am folgenden Tage erschienen aber Mehrere von ihnen beim Kö-nige , um ihm zu sagen, daß sie sich, wenn er die Erklärung veröffent-liche, nicht enthalte» könnten, ihr zu widersprechen. „Was wollt Ihrdenn, daß ich damit thun soll?" sagte Karl unwillig zu ihnen. Siebeharrten aber auf ihren Worten, und die Erklärung erschien nicht. Trotzdes Herbeiströmens und der Großsprecherei der Cavaliere geschah nichts.Es mangelte in Uork an Geld, Waffen, Munition, ja selbst Lebens-mitteln, kurz an Allem. Der König hatte kaum so viel, um die ge-wöhnlichen Ausgaben seines Hauses bestreiten zu können. Die Königinhatte in Holland einige von den Kronjnwelen verkauft, aber die Furchtvor den Drohungen des Parlaments war so groß, daß es lange dauerteehe sie Mittel fand, dem Könige den Erlös zukommen zu lassen.Er verbot allen seinen Unterthanen, der Milizbill zu gehorchen und gabselbst den angesehensten Royalisten jeder Grafschaft Bestallungen, umsie in seinem Namen auszusieben und zu organisiren. Um die Wirkungder Maßregel zu schwächen, betheuerte er aber sogleich, daß er nicht anden Krieg denke, und die in Uork anwesenden Lords erklärten durchein sorgfältig verbreitetes, osficielles Dokument, daß, so viel sie wüßten,keine Vorbereitung, kein Schritt eine solche Absicht verkünde. DiesesSchwanken und Liese Lügen wurden nicht blos durch die Schwäche ver-anlaßt. Karl wurde seit der Ankunft der aus dem Parlamente Getrete-nen von den widersprechendsten Rathschlägen bestürmt. Die Rechtsge-lehrten, Magistratspersonen und Gemäßigten wollten, überzeugt, daßin der Achtung des Volkes für die gesetzliche Ordnung seine zuverläs-sigste Macht liege, daß er von nun an die Gesetze streng beobachtenund dem Parlamente allein den Vorwurf, sie zu verletzen lassen sollte,während die Cavaliere behaupteten, daß durch die Zögerung Alles verlorengehe, und daß man bei jeder Gelegenheit seinen Feinden zuvorkommen müsse,und Karl, der die Unterstützung keiner Partei entbehren konnte, sich ab-wechselnd bemühte, beide zufrieden zu stellen.
Die Lage des Parlaments war dagegen einfacher geworden. DieEntfernung so vieler Mitglieder hatte die Häupter der Revolution insicherem Besitz der Macht gelassen; noch erhoben sich einige Stimmen, siewaren aber auf die traurige Aufgabe des Beklagens und Abwendens be-schränkt und man nahm sich kaum die Mühe ihnen zu antworten. Eineentschiedene Majorität, die den Krieg für unvermeidlich hielt, nahm den-selben, wenn auch mit sehr verschiedenen Absichten und Gefühlen, kühnan. Um den Schein zu retten, erhielt ein Ausschuß den Auftrag,Mittel zu suchen, um ihn zu verhüten und es wurde selbst ein Aus-söhnungsvorschlag in 19 Artikeln entworfen und dem Könige feierlichzugesendet. Bis seine Antwort erfolgte, fuhr man aber fort, jede der