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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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4. Buch.

Charakter des KriegeS.

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waren, nur schwer correspondiren konnten, selten gemeinschaftlich zuhandeln vermochten, und das Hauptquartier Karl's in Oxford, einemganz royalistische», aber zu weit vorgeschobenen und mitten im feind-liche» Gebiete säst isolirt liegenden Orte, nur im Rucken deckten.

Ein Krieg dieser Art, der mitten im Winter geführt wurde, undin dem die beiden Hauptheere fast unthätig blieben, konnte weder schnellenoch entscheidende Resultate herbeiführen. Ueberall und täglich fandenplötzliche und kurze Streifzüge statt, kleine Orte wurden abwechselnd be-setzt und wieder genommen, und bei diesen Ueberfällen und Scharmützelnhielten sich die Siege und Verluste beider Parteien die Waage. DieBürger gewohnten sich an den Krieg, wurden aber noch keine Soldaten.Einige Anführer begannen sich durch Muth, Talente oder Glück auszu-zeichnen, aber noch war keiner bei dem ganzen Volke bekannt, und ihrEinfluß wie ihre Thaten nur lokal. Uebrigens waren, trotz der Gluthder Leidenschaften, die Sitten edel und mild; obgleich die hohe Aristo-kratie sehr herabgekommen, und die neue Macht der Gemeinen die wahreUrsache der Nationalbewegung war, erhob sich das Volk doch nur gegenden Fürsten und seine Tyrannei, die verschiedenen Klaffen der Gesell-schaft waren nicht gegen einander im Streite, noch von dem Bedürfnisse,sich einander zu bedrücken, um sich zu vertheidigen oder zu befreien, auf-gewühlt. Auf beiden Seiten und fast überall befand sich der Befehl inden Händen von Männern fast gleichen Standes, die in denselben Ge-wohnheiten auserzogen und fähig waren, sich zu verstehen, und währendsie einander bekämpften, zu achten. Die Kavaliere waren zwar ausschwei-fend, leichtsinnig und beutesüchtig, aber nicht bösartig, und das preSby-terianische Volk bewahrte inmitten seines rauhen Fanatismus eine Ach-tung vor den Gesetzen und der Menschlichkeit, von der die Bürgerkriegeselten ein Beispiel geboten haben. Die unter entgegengesetzten Fahne»kämpfenden Verwandten, Nachbarn und Freunde brachen nicht alleVerbindung ab und liehen sich im Nothfalle Beistand; wenn sie einandermit den Waffen in der Hand trafen, so behandelten sie sich mit Anstand,wie Leute, die bisher in Frieden gelebt und sich nicht unwiderruflich ge-trennt haben. Die Gefangenen wurden gewöhnlich gegen das einfache Ver-sprechen, nicht mehr zu dienen, wieder freigelassen; wenn es sich zutrug, daßman sie in großer Entblößung ließ, wenn sie der König auch nur mit einerMiene kalter Gleichgiltigkeit an sich vorüberziehen sah, so entrüstete man sichdarüber, wie über ein schweres Unrecht, und die oft schnöde Rauheit desPrinzen Rupert verursachte so viel Erstaunen und Aergerniß, daß selbst dieMenge von ihm nur mit Abneigung und Widerwillen als einem grobenAusländer sprach. So blieb der überall lodernde Krieg doch von denSchrecken frei, welche ihn heftig seinem Ende zudrängen; die beiden