Buch 
Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
Entstehung
Seite
232
JPEG-Download
 

232

Wallers Complot.

4. Buch.

sich und scheuten sich mehr, die Zeichen der souveränen Macht zu usur-Piren, als dieselbe ohne diese Sanktion auszuüben, und die Gemeinenhielten es für gerathen, ihre Vorstellungen aus eine gelegenere Zeit zuverschieben. Zuweilen stimmten die Parteien in verschiedenen Absichtenmit einander und vereinigten sich zu einer falschen und unfruchtbarenEinmüthigkeit; öfter aber machten sie, an Stärke beinahe gleich, einandergegenseitig kraftlos und schienen zu erwarten, daß sie ein äußeres Er-eigniß zwingen würde, sich zu nähern oder sich unwiderruflich von ein-ander zu trennen.

Am 3 b. Mai, einem Fasttage, waren die beiden Häuser in derSt. Margarethenkirche zu Westminster beim Gottesdienste. Mr. Pymerhielt hier ein Billet; er erhob sich sogleich, um ihn her entspann sicheine leise, aber sehr lebhafte Unterhaltung, und ohne das Ende desGottesdienstes abzuwarten, ging er schleunigst mit seinen bedeutendstenCollege» hinaus und ließ die übrigen i» ihrer Unwissenheit und Neugiergleichen Bestürzung zurück. Nach dem Gottesdienste traten die Kammernzusammen und das Publikum erfuhr, daß man ein großes Complotentdeckt habe. Mehrere Lords, hieß es, mehrere Mitglieder der Ge-meinen, und viele Bürger der City, hätten daran Theil genommen, siehätten vorgehabt, die Noyalisten zu bewaffnen, sich des Towers, derMagazine und der hauptsächlichsten Posten zu bemächtigen, die Häup-ter der beiden Kammern zu verhaften und endlich die Truppen des Kö-nigs in London einzulassen. Derselbe Tag, der 31. Mai, sei zur Aus-führung bestimmt gewesen. Uebrigens würde sich Alles bald aufklären,denn schon sei ein Untersuchungscomite ernannt und man spreche vonmehreren auf dessen Befehl verhafteten Personen.

In der That wurden im Lause der Nacht und des folgenden Ta-ges Edmund Waller (geb. 3. Mai 1605), ein Mitglied der Gemeinenund ri» schon berühmter Dichter, sein Schwager Mr. Tompkins, derfrüher im Haushalte der Königin angestellt war, Mr. Chaloner, einreicher Bürger, und mehrere Andere verhaftet und verhört. Alle ge-standen mit mehr oder weniger Ausführlichkeit ein wirklich existirendesComplot, wiewohl nicht alle Verschworenen gleich ausgedehnt und mitden gleichen Absichten dabei bethciligt waren. Die Einen hatten weiternichts im Sinne gehabt, als die Steuerzahlung zu verweigern. um dasParlament zum Frieden zu zwingen, die Andern wollten den Kammernin großer Zahl und nach Verabredung friedliche Petitionen überreichen,noch Andere hatten nur an einigen Versammlungen oder an der Ent-werfung gewisser Listen Theil genommen, auf denen man die Namenaller bekannten Bürger verzeichnete und sie in drei Klassen, Gutge-sinnte , Gemäßigte und Feinde theilte. Bei allen diesen, aus so verschie-