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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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5. Buch.

Schlacht von Marston Moor.

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wieder in alle ihre Schrecken versinken. Karl setzte sich zwei Tage nachseinem Siege in Bewegung und richtete zu gleicher Zeit, mehr um sichdem Volke angenehm zu machen, als aus einem aufrichtigen Wunsche nachFrieden, von Evesham eine Botschaft an beide Häuser, worin er sich,ohne ihnen den Namen eines Parlaments beizulegen, in Betheuerungenseiner Friedensliebe erschöpfte, und erbot sich, die Unterhandlungen wiederzu eröffnen.

Während er sich aber entfernte, und ehe noch seine Botschaft nachLondon gelangte, war dort schon jede Furcht verschwunden. Das Aus-sehen der Dinge hatte sich verändert; die Niederlage Waller's war nurnoch ein unwichtiger Zufall, das Parlament hatte erfahren, daß seineGenerale dicht bei Uork den glänzendsten Sieg errungen, daß sich dieStadt nicht lange mehr halten könne, und kurz, daß im Norden die roya-listische Partei so gut wie vernichtet sei.

In der That hatte am 2. Juli auf Marston Moor eine von siebenbis zehn Uhr Abends dauernde Schlacht, die entscheidendste von allen bis-her gelieferten, große Resultate herbeigeführt. Drei Tage vorher hattensich bei der Annäherung des Prinzen Rupert, der mit 20,000 Mann gegenUork vorrückte, dieParlaments-Generale entschlossen die Belagerung auf-zuliebe», da sie sich schmeichelte», daß sie wenigstens den Prinzen würdenverhindern können, Hilfe in den Platz zu werfen. Rupert vereitelteaber alle ihre Pläne und zog ohne Kampf in Uork ein. Newcastle dranglebhaft in ihn, sich mit einem so glücklichen Erfolge zu begnügen; imfeindlichen Lager, sagte er, gähre die Zwietracht, die Schotten und dieEngländer, die Jndependenten und die Presbyterianer, der General-lieutenant Cromwell und der Generalmajor Crawford ständen nicht gutzusammen; er solle wenigstens, wenn er sich schlagen wolle eine Ver-stärkung von dreitausend Mann abwarten, die in wenigen Tagen an-kommen würden. Rupert hörte ihn kaum an, antwortete kurz, daß erBefehle vom Könige habe und gebot den Truppen, dem sich zurückzie-henden Feinde nachzurücken. Sie ereilten bald seinen Nachtrab. Vonbeiden Seiten hielt man an, zog alle Abtheilungen an sich und stelltesich in Schlachtordnung aus. Fast in Musketenschußweite, nur durch einigeGräben getrennt, verblieben die beiden Heere zwei Stunden lang unbe-weglich und in tiefem Schweigen. Jedes erwartete den Angriff des an-dern.Welchen Posten bestimmt mir Ew. Hoheit?" fragte Newcastleden Prinzen. Ich gedenke das Treffen vor morgen früh nicht zubeginnen," antwortete Rupert,bis dahin könnt Ihr ausruhen." New-castle schloß sich in seinem Wagen ein. Kaum hatte er es sich dort be-quem gemacht, als ihm das Musketenfeuer den Beginn der Schlacht an-kündigte. Er eilte schleunigst, ohne Befehl, nur an der Spitze einiger

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