6. Buch.
Schlacht be! Naseby.
307
zerstreuten sich über die Ebene, die Einen um zu fliehen, die Anderen umdie Flüchtlinge zurückzuhalten. Karl, der sich in der Mitte einer Gruppevon Osficieren befand, rief umsonst: „Halt! Halt!" die Auflösung ge-rieth erst beim Anblick des endlich mit seinen Schwadronen auf dasSchlachtfeld zurückkommenden Prinzen Nupert ins Stocken. Jetzt bil-dete sich um den König her ein ziemlich zahlreiches Corps, aber es warenverwirrte, ermüdete, bestürzte, niedergeschlagene Cavaliere. Karl stürztesich, den Degen in der Hand, mit blitzenden Augen, und von Verzweiflungentstellten Zügen zweimal vorwärts, indem er so laut als möglich schrie:»Ihr Herren noch einen Angriff und der Tag ist wieder unser!" Keinerfolgte ihm, das überall durchbrochene Fußvolk war in voller Flucht, oderbereits gefangen, man mußte fliehen und der König wandte sichmitetwa2000 Reitern gegen Leicester, indem er sein Geschütz, seine Munition,sein Gepäck, mehr als hundert Fahnen, seine eigene Standarte, 5000Mann und alle Papiere seines Cabinets in der Gewalt des Parlaments ließ.
Der Sieg übertraf die kühnsten Erwartungen. Fairfax beeilte sichdie Kammer mit ruhigem, einfachen Tone und ohne politische Anspie-lungen oder Rathschläge davon zu benachrichtigen. Cromwell schrieb eben-falls, aber nur an die Gemeinen, da er seinen Auftrag nur von ihnenerhalten. Sein Schreiben endete mit folgenden Worten: „In allem die-sem hat nur die Hand Gottes gewaltet, ihm allein gebührt der Ruhmund Niemand darf ihn mit ihm theilen. Der General hat Euch mitEhre und Treue gedient; das größte Lob, was ich ihn: ertheilen kann, ist,daß er Alles Gott zuschreibt, und lieber sterben, als für sich selbst etwasansprechen würde. Indessen kann man, was die Tapferkeit betrifft, ihmin diesem Falle Alles zuschreiben, was man möglicher Weise einem Men-schen zugestehen kann. Die redlichen Leute — er meinte damit die en-thusiastischen Jndependenten — haben Euch treu gedient, sie sind vollerZuversicht, ich beschwöre Euch um Gotteswillen sie nicht zu entmuthigcn.Ich wünsche, daß diese Schlacht im Herzen aller Derjenigen, welche dabeibetheiligt sind, Demuth und Dankbarkeit erzeugen möge. Ich wünsche,daß Derjenige, welcher sein Leben für das Wohl seines Vaterlandes aufdas Spiel setzt, in Bezug auf seine Gewissensfreiheit aus Gott, und inBezug aus die Freiheit in deren Namen er kämpft, aus Euch möge ver-träum können."
Einige waren ungehalten, daß ein Untergebener des Feldherrn, einDiener des Parlaments, wie sie ihn nannten, sich herausnehme, an sie indiesem Tone Rathschläge und Lobsprüche auszutheilen. Unter dem all-gemeinen Jubel achtete man aber wenig auf ihre Verstimmung, und andem Tage. wo Cromwell's Schreiben nach London kam, stimmten selbst dieLords dafür, seine Anstellung von Neuem um drei Monate zu verlängern.
20 '