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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Die Korrespondenz des KönlgS.

6. Buch.

Zugleich beschlossen sie den Sieg zu benutzen um verständige Vor-schläge an den König zu richten und die schottischen Kommissäre sprachenden gleichen Wunsch aus; aber die Sieger waren von dergleichen Ideenweit entsernt. Statt zu antworten, forderten die Gemeinen alle Bürgerauf in Guildhall zu erscheinen um die bei dem Gepäck des Königs gefun-denen Papiere, besonders seine Briese an die Königin vorlesen zu hörenund selbst zu beurtheilen, welches Vertrauen man von nun an aus Unter-handlungen setzen könne. Fairfax hatte Anstand genommen, diese Papierezu eröffnen, Cromwell und Jreton sich aber beeilt, seine Bedenklichkcitenzu bekämpfen, und das Unterhaus dachte nicht daran sie zu theilen. DieVorlesung erfolgte vor einer ungeheuern Volksmenge und mit außeror-dentlichem Eindruck. Es lag klar am Tage, daß der König nie den Frie-den gewollt, daß in seinen Augen kein Zugeständniß definitiv, kein Ver-sprechen verbindlich war, daß er im Grunde nur auf die Gewalt zählteund fortwährend auf die absolute Herrschaft Ansprüche machte, sowieendlich daß er sich, trotz seiner tausendmal wiederholten Betheuerungen, anden König von Frankreich, den Herzog von Lothringen, an alle Für-sten des Continents gewendet hatte, um fremde Soldaten in das Reichzu bringen. Selbst der Name des Parlaments, welchen er vor Kurzem,um die Conferenzen von Uxbridge herbeizuführen, den beiden Häusernscheinbar gegeben hatte, war von seiner Seite nur eine Lüge gewesen,da er insgeheim gegen seinen officiellen Schritt protestirt und seinen Pro-test zu Oxford in die Register des Staatsraths hatte einschreiben lassen.Alle Bürger wurden zugelassen, um sich mit eigenen Augen davon zuüberzeugen, daß die Briefe wirklich von der Hand des Königs seien undnach der Versammlung in Guildhall ließ sie das Parlament drucken undherausgeben. (Unter dem Titeldie eröffnete Brieftasche desKönigs," rc.)

Ueberall war die Erbitterung gleich groß, und die Freunde des Frie-dens mußten schweigen. Einige suchten sich umsonst gegen diese Veröffent-lichung, welche sie eine grobe Verletzung der Familiengeheimnisse nannten,zu erheben. Sie warfen die Frage auf, ob man auch an die Echtheitaller dieser Schriftstücke glauben dürfe, ob es nicht wahrscheinlich sei,daß einzelne verstümmelt, andere ausgelassen worden seien, sie gaben zuverstehen, daß aus den beiden Kammern gewisse Leute nicht mit mehrOffenheit unterhandelt hätten und eben so wenig den Frieden wünschten.Sobald aber einmal das Volk weiß, daß man es zu täuschen gesucht, soist es unempfänglich für Erklärungen und Entschuldigungen. Warübrigens auch Alles wahr, so blieb die Treulosigkeit Karls doch unwi-derleglich, und mußteman sich auf ihn verlassen können, wenn jemals seinFriede abgeschlossen werden sollte. Von nun an »sprach man auch von nichts