6. Buch.
Flucht des Könlgs.
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Fairsax und seine Soldaten wendeten. Aber Fairfax hatte ein gutes,trefflich bezahltes und mit allem Nöthigen versehenes Heer, worin der En-thusiasmus und die Disciplin sich gegenseitig unterstützten. Er benahmsich gegen die Clubmen schonend, tratmit ihnen in Unterhandlung, wohnteselbst persönlich einigen ihrer Versammlungen bei, versprach ihnen denFrieden und betrieb den Krieg mit Nachdruck. In wenigen Tagen warder Feldzug entschieden. Gering wurde zu Lrngport in der GrafschaftSomerset überfallen und geschlagen und ließ die noch bei ihm gebliebenenTruppen, wie es der Zufall gab, auseinandergehen, Sir Richard Grcnn.ville schickte dem Prinzen von Wales sein Feldmarschall - Patent zurück,indem er sich frech beklagte, daß man ihn gezwungen habe, den Krieg aufeigene Kosten zu führen, und drei Wochen nach Fairfax's Ankunft warendie Kavaliere, die vor Kurzem noch als Herren den Westen durchzogenhatten, fast überall in die festen Plätze, zu deren Belagerung sich Fair-sax anschickte, eingeschlossen.
Ueberall fragte man sich indessen, was denn der König mache, jasogar, wo er sei, denn Viele wußten dies nicht einmal. Nach der Nie-derlage bei Naseby war er von Stadt zu Stadt geflohen, hatte sich kaumeinige Stunden der Ruhe gegönnt und bald die Straße nach Norden,bald die nach Westen eingeschlagen, um jenachdem ihn seine Furcht oderseine Hoffnungen trieben, zu Montrose oder zu Goring zu gehen. JnHere-sord angekommen entschied er sich endlich für Wales, wo er einiges Fuß-volk ausheben zu können hoffte, sendete den Prinzen Rupert nach Bristolund begab sich nach dem Schlosse Ragland zu dem Marquis von Wor-cester, dem Haupte der katholischen Partei und reichsten Großen in Eng-land. Zu diesem Entschlüsse bestimmten ihn geheime Pläne, zu denendie Katholiken allein mitwirken konnten; überdieß hatte ihm der Marquisseit drei Jahren Beweise einer unerschöpflichen Ergebenheit geliefert. Erhatte ihm 100,000 Pfd. St. geliehen, auf seine Kosten zwei Heeres-abtheilungen unter dem Befehle seines Sohnes, Lord Herbert, Grasenvon Glamorgan, ausgerüstet, und befehligte trotz seines hohen Altersund seiner Gebrechlichkeit in seinem Schlosse selbst eine starke Besatzung.Er empfing den König mit ehrfurchtsvollem Glänze, rief den Adel ausder Umgegend herbei, veranstaltete eine Menge von Jagden, Festen, Hul-digungen und Hofvergnügungen. Der flüchtige Karl schöpfte, wie seinernatürlichen Stellung zurückgegeben, auf einen Augenblick Athem, ver-gaß länger als 14 Tage sein Unglück, seine Gefahren und sein Reich,und dachte nur daran, seine Königswürde zu genießen.
Endlich wurde er doch durch das Gerücht von den Unfällen imWesten aus dieser unthätigen Illusion gerissen. Zugleich erfuhr er, daßim Norden die Schotten Carlisle eingenommen, und in der Absicht Here-