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Er geht nach Oxford.
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land, bei Sherburne von einer Abtheilung von Parlamentstruppen ein»geholt und geschlagen worden sei, seine Reiter sich zerstreut hätten undman nicht wisse, was aus ibm geworden wäre. So waren also im Nordenalle seine Soldaten und Hoffnungen vernichtet. Jetzt bot auch Newarkkeine sichere Zuflucht mehr, die Truppen, welche Popntz befehligte, warennähergerückt, hatten Besitz von den naheliegenden festen Plätzen genom-men und zogen sich mit jedem Tage enger zusammen; schon fürchteteman für das Entkommen des Königs. Am 3. Novbr. Nachts eilf Uhrwurden 4 bis 509 Reiter, die Ueberbleibsel mehrerer Regimenter,auf dem Marktplatze versammelt, der König erschien, übernahm den Be-fehl einer Schwadron und verließ Newark auf der Straße nach Oxford.Er hatte sich den Bart abnehmen lassen, und zwei kleine königliche Be-satzungen , die auf seinem Wege lagen, hatten Winke erhalten. Unauf-haltsam setzte er Tag uud Nacht seinen Marsch fort, vermied sorglichjede feindliche Truppenabtheilung, jeden feindlichen Platz und glaubtesich gerettet, als er Oxford endlich erreichte, denn hier fand er seineRäthe, seinen Hof, seine gewohnte Lebensweise und einige Ruhe wieder.
Bald überzeugte er sich indeß hier von dem Mißlichen seiner Lage.Während er von Grafschaft zu Grafschaft, von Stadt zu Stadt irrte,hatten Cromwell und Fairfax, über ihn unbesorgt und gewiß, daß dasPopntz'sche Corps hinreiche, ihn allmälig aufzureiben, im Westen ihreerkämpften Vortheile verfolgt. Binnen fünf Monaten sahen sie sich imBesitz von fünfzehn wichtigen Plätzen, Bridgewater, Bath, Sherborne,Devizes, Winchester, Basing-House, Tiverton, Monmouth u. s. w. DieBesatzungen, welche sich den Unterhandlungen geneigt zeigten, erhieltenehrenvolle Bedingungen, die aber, welche stolzer antworteten, wurdenaugenblicklich bestürmt. Einige Zeit lang wurden sie von den Club-men beunruhigt, und Cromwell sah sich gezwungen, nachdem er sie mehr-fach zum Auseinandergehen aufgefordert hatte, sie anzugreifen. Es ge-schah dieß unerwartet und nachdrucksvoll, und eS machte ihm wenigMühe, da wo es die Noth erheischte, eben so schnell von der Milde zurStrenge wie von der Strenge zur Milde überzugehen. Auf seinen Vor-schlag erklärte das Parlament jede Verbindung dieser Art für Verrath;mehrere Anführer wurden verhaftet; die strenge Mannszucht des Heeresberuhigte das Volk, die Clubmen hatten sich schnell aufgelöst und als derKönig in Oxford einzog, war die Lage seiner Partei im Westen sohoffnungslos geworden, daß er am nächsten Tage dem Prinzen von Walesschrieb und ihn aufforderte sich zum Uebersetzen nach dem Kontinent be-reit zu halten.
Noch war er selbst ohne Plan, ohne Aussicht: bald überließ er sichden lebhaftesten Gefühlen der Angst, bald suchte er in völliger That-