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Der König in Newark.
6. Buch.
einer mehrstündigen Sitzung wurde eine Erklärung ausgestellt, des In-halts, daß der Prinz es weder an Muth noch an Treue habe mangelnlassen. Mehr als dieß zuzugestehen, ließ sich aber der König durch keinBitten bewegen.
Dem Prinzen und seinen Anhängern zufolge war dieß zu wenig;sie blieben in Newark und sprachen ihren Unmuth rückhaltslos aus. DerKönig seinerseits unternahm es, den fortwährend zunehmenden Unordnun-gen der Besatzung ein Ende zu machen. Aus 2000 Soldaten zählteman dort 24 Generale oder Obersten, deren Gehalt fast alle Kontribu-tionen der Grafschaft verschlang. Selbst die ergebensten Edelleute derUmgegend beklagten sich bitter über den Gouverneur. Karl beschloß ihnabzusetzen, jedoch auf rücksichtsvolle Weise und indem er ihm eine An-stellung in seiner Nähe gab. Er kündigte ihm an, daß er ihm den Be-fehl über seine Garde zu Pferde verleihe. Sir Richard weigerte sichdiesen anzunehmen, indem er sagte, daß man diese Erhebung für eine Un-gnade halten würde und daß er für den Hof zu arm sei. „Ich werdedafür sorgen!" antwortete der König, und verließ ihn. An demselbenMittage noch, als Karl sich bei Tische befand, traten plötzlich Sir RichardWillis, die beiden Prinzen, Lord Gerrard und 20 Officiere der Be-satzung ein. „Sire," sagte Willis, „ das, was mir Eure Majestät heutefrüh insgeheim gesagt hat, ist gegenwärtig das allgemeine Gespräch derStadt und entehrt mich in ihr." — „Sir Richard," fügte Rupert hin-zu, „verliert um keines Fehlers willen seine Anstellung, sondern weil ermein Freund ist." — „Alles dieß," sagte Lord Gerrard, „ist ein Com-plot von Lord Digby, der selbst ein Verräther ist, was ich beweisenwerde." Karl stand erstaunt und verwirrt von, Tische auf, that einigeSchritte aus sein Gemach zu und gebot Willis, ihm zu folgen. „Nein,Sire," sagte Willis, „ich habe eine öffentliche Beleidigung empfangen,und erwarte eine öffentliche Ehrenerklärung." Auf diese Weigerungstürzte Karl außer sich und zornbleich auf sie zu und rief mit schallenderStimme und drohender Geberde: „Hinaus, hinaus! und laßt Euch niewieder vor mir sehen!" — Jetzt ihrerseits bestürzt gingen sie Alle eiligsthinaus, kehrten nach dem Hause des Gouverneurs zurück, ließen zumAufsitzen blasen und ritten 200 Mann stark aus der Stadt.
Die ganze Besatzung, alle Einwohner, strömten herbei um dem Kö-nig ihre Ergebenheit und Ehrfurcht zu versichern. Die Mißvergnügtenließen am Abend ihre Reisepässe verlangen und ihn bitten sie nicht alsAufrührer anzusehen. Der König erwiderte ihnen: „Ich will sie heute nichttaufen; was die Reisepässe anlangt, so gebe man ihnen so viel sie habenwollen." Er war noch über diesen Austritt in heftiger Bewegung, alsihm die Nachricht zukam, daß Lord Digby auf seinem Marsche nach Schott-