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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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6. Buch.

Karl's mit den Jrländern.

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was Ormond selbst nicht unternehmen mochte, und kannte allein denUmfang, der den Zugeständnissen des Königs gegeben werden konnte.Durch seine Hände ging der Briefwechsel Karl's mit dem erst vor Kur-zem in Irland angekommenen päpstlichen Nuntius Rinuccini, wie mitdem Papste. Durch einen nur von den Beiden gekannten und eigenhän-dig vom Könige unterzeichneten Akt hatte er ihm sogar förmliche Voll-macht ertheilt, nicht nur den Jrländern Alles zu bewilligen, was er fürnöthig halten würde, um ihre wirksame Unterstützung zu erlangen, son-dern sich sogar verbindlich gemacht, alle Zugeständnisse, mochten sie auchnoch so gesetzwidrig sein, zu billigen und zu bestätigen; nur mit demeinzigen Vorbehalte, daß das Ganze bis zu dem Zeitpunkte, wo erAlles offenbaren könne, vom tiefsten Geheimniß umgeben bleibe. Am20. Aug. vorher war der Vertrag abgeschlossen worden und Glamor-gan , der sich immer noch in Irland befand, drang aus allen Kräftenauf dessen Vollziehung. Dies war der geheime Grund, welcher denKönig so häufig in das Schloß Nagland, die Residenz des Marquis v.Worcester, führte und zu längerem Aufenthalte daselbst veranlaßte. Da-raus stützten sich auch jene in geheimnißvolle Schleier gehüllten Hoff-nungen, die er oft mitten im Unglück durchblicken ließ.

In Oxford und in Dublin erfuhr man säst im nämlichen Augen-blicke , daß der Vertrag in London bekannt war. Ormond erkannte so-gleich den Nachtheil, der daraus bei seiner eigenen Partei für die Sachedes Königs hervorgehen konnte. Sei es nun, daß er, nach seiner Aus-sage, nichts davon wußte, daß der König solche Bedingungen einge-gangen war, oder sei es, daß er ihn in den Stand setzen wollte, sie zudesavouiren, genug, er ließ Glamorgan ungesäumt verhaften, indemer ihm vorwarf, seine Vollmacht übertreten und durch ungesetzliche, denRebellen gewährte Bewilligungen das Ansehen des Königs gefährdet zuhaben. Glamorgan, unerschütterlich in seiner Ergebenheit, verweigertejede Erklärung, verbarg die in seinen Händen befindlichen, mit Karl'sNamen unterzeichneten geheimen Aktenstücke und behauptete sogar, derKönig sei nicht verbunden, das zu genehmigen, was er in dessen Namenversprechen zu können geglaubt habe. Auf der anderen Seite beeilte sichder König, eine Proklamation an die beiden Kammern zu senden undihn in officiellen Briefen an den Dubliner Rath für unbefugt zu erklä-ren. Seiner Behauptung nach war es Glamorgan's einziger Auftraggewesen, Soldaten zu werben und die Bemühungen des Lordlieutenantszu unterstützen; für beide Parteien war die Lüge jedoch nichts mehr,als eine abgebrauchte und erfolglose Gewohnheit. Niemand, nicht einmaldas Volk, konnte mehr dadurch getäuscht werden. Einige Tage späterentließ man Glamorgan seiner Hast und ungescheut begann er nunmehr

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