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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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7. Buch.

Auslieferung des Königs.

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So sehr auch die Schotten den Wunsch hegten, jeden Bruch zuvermeiden, so vermochten sie doch nicht, dergleichen verächtliche Redenohne Widerstand hinzunehmen. Sie behaupteten, Karl sei eben so gutihr König wie der der Engländer und aus diesem Grunde sei es ebenauch ihr Recht, ja der Covenant mache es ihnen sogar zur Pflicht, überdie Person des Königs und sein Schicksal zu wachen. Der Zwistwurde ungemein lebhaft; die Konferenzen, Flugschriften, Erklärungen,gegenseitigen Beschuldigungen, mehrten sich fortwährend und nahmen anLeidenschaftlichkeit zu, und mit jedem Tage wurde die Stimme desVolkes, welcher Partei es auch angehörte, gegen die Anmaßungen derSchotten, die in der öffentlichen Meinung gänzlich gesunken waren,lauter. Vorurtheile und Nationalhaß waren aufs Neue hervorgetretenund ihre Habsucht, ihre engherzige Klugheit, ihre theologische Pedan-terie, erregten täglich mehr das Mißfallen des umfafsendern und freiernSinnes, wie des ausschweisendern und kühner» Fanatismus ihrer Ver-bündeten. Holles, Stapleton, Glynn, die es müde waren, einen Kampffortzusetzen, bei welchem sie nur in einer eingeengten, untergeordnetenLage blieben, sannen voll Ungeduld auf Mittel ihm ein Ende zu machen.Sie hofften es nicht schwierig zu finden, sobald die Schotten den Königdem Parlamente ausliefern würden, das unheilstiftende Heer auf das alleinsich die Macht der Jndependenten stützte, und das der eigentliche Feinddes Parlaments und des Königs war, aufzulösen. Sie ertheilten da-her den Schotten den Rath, im Interesse ihrer eignen Sache nachzugeben,und zu gleicher Zeit genehmigten die Lords, vielleicht von dem nämlichenEinflüsse bewogen, den Beschluß der Gemeinen, den sie seit fünf Mo-naten zurückhielten,daß es nur den beiden Häusern zustehe über diePerson des Königs zu verfügen."

Die schottischen Presbyterianer, mindestens der größte Theil vonihnen, wußten, über ihren eignen Widerstand verlegen, nicht wie sie ihnaufgeben oder fortsetzen sollten; sie überzeugten sich ohne Mühe, daßder Rath klug sei, und mit Freuden nahmen sie ihn an. Die Freundedes Königs waren dagegen unter ihrer Partei kühner und einflußreichergeworden; an ihrer Spitze stand Hamilton. Sein schwankendes Betra-gen hatte den König und den Oxforder Hos mißtrauisch gemacht unddrei Jahr war er im Schlosse Mont St. Michel in Cornwallis als Ge-fangener gewesen. Als aber dieser Platz in die Hände des Parlamentsfiel, erlangte Hamilton seine Freiheit wieder. Einige Tage hatte er inLondon zugebracht und sich beeilt, den sämmtlichen Mitgliedern beiderHäuser seinen Besuch zu machen; von da ging er nach Newcastle, wo-hin so eben die schottische Armee mit dem König gelangt war. In Kur-zem besaß er wieder die volle Gunst des Königs und setzte, in Edin-

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