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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Auslieferung des KöntgS.

7. Buch.

burgh angekommen, mit aufrichtigem Herzen Alles in Bewegung, denKönig zu retten. Der ganze hohe Adel des Königreichs machte mit ihmgemeinschaftliche Sache, ebenso die gemäßigten Presbyterianer der Bür-gerschaft, alle Leidenschaftslosen, die den blinden Fanatismus der Mengeund die übermüthige Herrschaft ihrer Geistlichkeit gleich verabscheuten, alleRechtschaffenen und die Furchtsamen, die sich zu jedem Opfer bereit-willig erklärten, sobald sie Ruhe erlangten. Auf ihre Bitten ging eineneue feierliche Gesandtschaft nach Newcastle ab, die den König fußfälligbat, den Vorschlägen des Parlaments Gehör zu geben, Die inständigenBitten dieser Abgeordneten, sämmtlich Landsleute und großentheils Ju-gendgefährten des Königs, brachten seinen Entschluß zum Schwanken.Auf mein Wort", antwortete er ihnen, die Gefahren, von denen Ihrredet, sind es weniger, die mich beunruhigen, als die Bekümmerniß, denWünschen meines Geburtslandes, die Ihr mir vorgetragen, nicht raschund vollkommen Genüge leisten zu können. Ich wünsche nicht, daß mansich über meine Absichten täusche. Ich weigere mich nicht, nein, ich be-schwöre feierlich, daß ich mich nicht weigere, aber bedenkt wohl, daß ichnur verlange, von den Leuten in London gehört zu werden. Mit vollemRechte würde man den König, der dies dem Geringsten seiner Untertha-nen weigerte, einen Tyrannen schelten." Am nächsten Morgen bot er,wahrscheinlich auf erneuertes Bitten, an, das Fortbestehen der Episko-palkirche auf fünf Diöcösen zu vermindern und im übrigen König-reiche den presbyterianischen Cultus vorwalten zu lassen; dabei begehrteer nur für sich und die Seinigen so lange Freiheit des Gewissens unddes Gottesdienstes, bis er mit Zustimmung des Parlaments alle ihreStreitigkeiten beendigt haben würde. Ein solches theilweises Nachgebenkonnte jedoch dem presbyterianischen Volke nicht genügen, und je größerdie Anerbieten Karls wurden, um so stärker wurde auch der Zweifel anseiner Aufrichtigkeit. Seine Vorschläge wurden kaum angehört. Hamiltonward muthlos, er sprach von Flucht nach dem Kontinent, und gleichzei-tig verbreitete sich das Gerücht, die schottische Armee werde ehestens nachihrem Lande zurückkehren. Augenblicklich schrieb der König an denHerzog:Hamilton, ich habe Euch Vieles mitzutheilen und doch so wenigMuse dazu, sodaß meinBrief wie die jetzigen Zeiten, ohne Ordnung undVerstand sein wird. Die Leute in London hoffen, mich in ihre Ge-walt zu bekommen und versichern unsern Landsleuten, mich keineswegsals Gefangenen halten zu wollen. Behüte Gott, nicht im mindesten;sie wollen mir nur eine anständige Ehrenwache beigeben, die mich, derSicherheit meiner Person wegen, überallhin begleiten wird. Deshalbmuß ich Euch sagen und ich suche es nicht zu verhehlen, im Gegen-theil wünsche ich, daß es Alle erfahren daß ich beim Abzüge dieser