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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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7. Buch.

Das Heer in London.

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Ich werde warten," sagte der König zu Berkley,es ist immernoch Zeit diesen Bries zu schreiben. Indessen war ein Bote vomHauptquartiere angelangt, neue Flüchtlinge von Westminster hattensich ihren Collegen angeschlossen und Andere geschrieben, daß sie sich inihre Grafschaften zurückzögen und dem vorgeblichen Parlamente ihre An-erkennung versagten. In London selbst verlor die nicht sehr zahlreicheaber hartnäckige Partei der Jndependenten weder ihre Zeit noch ihrenMuth. Sie hemmte, verzögerte, entkräftete alle Maßregeln, die sie nichtzu hintertreiben vermocht hatte. Die eingegangenen Gelder wurden nurlangsam zur Verwendung gebracht, Massey's Rekruten fehlte es anWaffen; einige von der Armee gewonnene presbyterianische Prediger,unter andern Mr. Marshall trugen überallhin Worte der Furcht undUnterhandlung, die schon von redlichen Mitgliedern der Kammern unddes Communalrathes, welche sich mit der Ehre, den Frieden wieder her-zustellen schmeichelten, beifällig aufgenommen wurden. Endlich ließCromwell Ashburnham sagen, daß binnen zwei Tagen die City in ihrerGewalt sein würde.

Karl zauderte noch, er versammelte seine vertrautesten Diener,der Brief wurde entworfen, besprochen, bei Seite gelegt, wieder vorge-nommen und endlich (4. Aug.) unterzeichnet. Ashburnham und Berkleyreisten ab um ihn nach dem Hauptquartier zu bringen, unterwegs trafensie einen andern Boten, der ihnen von zwei befreundeten Offizieren ent-gegen gesendet wurde um von Neuem auf die Absenkung zu dringen.Sie kamen an. Die Unterwerfung der City war aber schon vor ihnenangelangt. Die flüchtigen Mitglieder hatten auf Hounslow Heath un-ter dem lärmendsten Beisallgeschrei das Heer gemustert und es marschirtemit der Gewißheit ohne Hinderniß dort einziehen zu können, dorthin ab.Der Brief des Königs und das Bündniß mit ihm besaßen für die Siegerkeinen Werth mehr.

Zwei Tage darauf, am 6. Aug., ging von Kensington ein glänzen-der und kriegerischer Zug nach Westminster ab. Drei Regimenter bil-deten die Vorhut, ein viertes den Nachtrab. Zwischen ihnen ritt Fairfaxmit seinem Generalstabe, fuhren die geflüchteten Mitglieder und folgteneine Menge von Anhängern derselben, die sich beeiferten an ihrem Tri-umphe Theil zu nehmen. An der Straße war ein doppeltes Spaliervon Soldaten ausgestellt, die alle Lorbeerzweige anf den Hüten trugenund riefen:Es lebe das Parlament, das freie Parlament!" Am Hyde-park standen der Lordmayor und die Aldermen, welche gekommen wa-ren, um dem General zu dem endlich wieder hergestellten Frieden zwi-schen dem Heer und der City Glück zu wünschen. Fairfax aber ant-wortete ihnen kaum im Vorübergehen. Weiterhin, an Charing croß, er«