7. Buch.
Das Heer in London.
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Nach diesem großen und ieichterworbenen Siege nahm die bisherselbst unter den Jndependenten durch die Bedürfnisse des Kampfes ge-zügelte oder geordnete revolutionäre Bewegung ihren freien Laus, undalle Leidenschaften, Hoffnungen und Träume entfalteten sich kühn.Unter den Hähern Stände» der Partei, im Schoße der Gemeinen unddem Generalrathe der Officiere wurden die republikanischen Pläne klarund entschieden. Schon seit langer Zeit antworteten Bane, Ludlow,Hazlerig, Martpn, Scott, Hutchinson kaum mehr, wenn man sie be-schuldigte, die Monarchie umstürzen zu wollen, sie sprachen nur nochmit Verachtung von ihr, das Princip der Souveränetät des Volkesund einer einzigen von ihm abgeordneten Versammlung, welche dieselbevertreten sollte, leitete jetzt allein ihre Handlungen und Reden, und inihren Gesprächen wurde jeder Wunsch nach einem Vergleich mit demKönig, unter welchen Bedingungen es auch sein mochte, als Verrathbetrachtet. Unter ihnen, im Volke wie im Heere, trat überall die Auf-wallung der Gemüther ans Licht, über alle Dinge wurden bisher un-erhörte Reformen gefordert, von allen Seiten erhoben sich Reformatoren,deren stürmischen Wünschen kein Gesetz Achtung auferlegte, keine That-sache als Hinderniß erschien und die um so zuversichtlicher und gebie-terischer sprachen, je tiefer ihre Unwissenheit und Niedrigkeit war.Ihre sich mit jedem Tage erneuernden Petitionen und Flugschriften be-drohten alles Bestehende, Wenn sie vor die Richter gefordert wurdenso stellten sie das Richteramt selbst in Frage und verlangten von den-selben, daß sie ihren usurpirten Stuhl verlassen sollten. Wurden siein den Kirchen durch die presdyterianischen Geistlichen angegriffen, sostürzten sie plötzlich aus die Kanzel zu, rissen den Prediger herab undpredigten ihrerseits, aufrichtig in ihrer Schwärmerei, aber doch geschicktsie zum Vortheil ihre Leidenschaften zu benutzen. Diese Bewegung wurdevon keiner fest gegründeten und vollständigen Lehre, keiner bestimmtenund allgemeinen Absicht geleitet, alle diese republikanisch gesinnten Vor-kämpser des Volks trieben ihre Gedanken und Wünsche weit über eineRevolution in der Regierung hinaus und strebten danach, die Gesell-schaft selbst, die Verhältnisse, Sitten und gegenseitigen Gefühle derBürger umzuwandeln. Hierin aber waren ihre Ansichten beschränkt undverwirrt. Die Einen erschöpften ihre Kühnheit in der lärmendenVerfolgung einer wichtigen aber theilweisen Neuerung wie die Vernich-tung der Vorrechte der Lords oder Advokaten, Anderen genügte irgendeine fromme Träumerei wie die Erwartung des nahen Reiches des Herrn,Einige verlangten unter dem Namen von Rationalisten die absoluteSouveränetät für die Vernunft jedes Einzelnen, noch Andere sprachendavon, unter den Menschen eine strenge Rechts- und Gütergleichheit ein-