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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Das Heer in London.

7. Blich.

zuführen, und ihre Feinde benutzten dies, um ihnen allen den Namenvon Gleichmachern zu ertheilen. Aber weder dieser verhaßte Name, den siefortwährend von sich abwiesen, noch irgend ein anderer sagte ihnen zu,denn sie bildeten weder eine irgend einem systematischen Glauben ergebeneSekte, noch eine leidenschaftlich auf ein bestimmtes Ziel zugehende Par-tei. Mochten sie nun Bürger oder Soldaten, Schwärmer oder Dema-gogen sein, so bildete doch ein leidenschaftlicheres als ausgedehntes Be-dürfniß des Neuerns mit einem unbestimmten Trieb nach Gleichheit, be-sonders aber der roheste Geist der Unabhängigkeit, ihr gemeinschaftlichesKennzeichen. und von einem blinden, aber reine» Ehrgeiz ergriffen, ge-gen Jeden, der ihnen schwach oder eigennützig erschien, unlenksam, bilde-ten sie abwechselnd die Kraft und den Schrecken der verschiedenen Par-teien, die sich alle nacheinander gezwungen sahen, sich ihrer zu bedienenund sie zu täuschen.

Keinem war das Eine wie das Andere so gut gelungen, wie Crom-well, Keiner lebte mit diesen einzeln unbekannten, aber vereint mächti-gen Enthusiasten aus gleich vertrautem Fuße. Ihnen hatte von Anfangan Alles an ihm gefallen: die ungeregelten Ausflüge seiner Einbil-dungskraft, seine Bereitwilligkeit sich zum gleichstehenden Genossen derrohesten Freunde zu machen, seine mystische und vertrauliche Redeweise,seine abwechselnd gemeinen und schwärmerischen Manieren, die ihm balddie Miene der Begeisterung, bald die der Freimüthigkeit gaben, und selbstsein freier, gewandter Geist, der alle Hilfsquellen der weltlichen Ge-schicklichkeit zum Dienste einer heiligen Sache zu verwenden schien. Auchhatte er unter ihnen seine nützlichsten Agenten gesucht und gefunden.AyreS, Evanson, Berry, Sexby, Sheppard, Wildman, die Alle Haupt-mitglieder des Agitatorenrathes und stets bereit waren, aus ein Wortdes Generallieutenants hin, die Armee bald gegen den König, bald gegendas Parlament aufzuwiegeln. Selbst Lilburne, der Unzähmbarste undwenigst Leichtgläubige dieser Leute, der früher sein Regiment verlassenhatte, weil er nicht gehorchen konnte, setzte aus Cromwell großes Ver-trauen.Ich habe Euch," schrieb er ihm,unter den Mächtigen Eng-lands als das reinste von allen persönlichen Absichten freieste Herz be-trachtet." Und Cromwell hatte mehr als einmal den Muth Lilburne'sgegen die Presbyterianer benutzt. Als aber der Sturz der Presbyteria-ner völlig entschieden zu sein schien, als die Jndependenten den König,das Parlament und die City in ihrer Gewalt hatten, als alle revolutio-nären Leidenschaften und Ansprüche endlich unersättlich, blind, regellos,hervortraten, äußerten dieselben auch bald ihren Einfluß aus die Lageder Parteihäupter, besonders Cromwell's, der schon der Zielpunkt allerBlicke war. Jetzt war an ihnen die Reihe zu Gegenständen des Miß-