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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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7. Buch.

Der König im Hampton-Court.

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trauens zu werden und die Furcht kennen zu lernen. Viele von denIhrigen hatten die mit dem König eröffneten Unterhandlungen mit schee-len Augen angesehen und nur die Nothwendigkeit, die Gefahr, unter dieHerrschaft der Presbyterianer zu fallen, ihren Widerwillen überwogenund ihren Argwohn zurückgehalten. Jetzt war alle Nothwendigkeitverschwunden, der Herr hatte alle seine Feinde den Händen seiner Die-ner überliefert. Dessenungeachtet fuhr man aber fort, statt den Triumphseiner Sache zu vollenden und zu sichern, mit den Delinquenten inFreundschaft zu leben und zu unterhandeln. Der Erste, der Schuldbe-lastetste von Allen, Derjenige, aus dessen Haupt schon seit zwei Jahreneinige gläubige Stimmen die öffentliche Rache Herabgerufen und der vorKurzem noch in seinem thörichten Stolze Vorschläge, die man ihm viel-leicht nie hätte machen dürfen, zurückgewiesen; der König hatte, weitentfernt durch die letzten Ereignisse etwas zu verlieren, durch dieselben bei-nahe seine Macht und seinen Glanz wieder erlangt. Er war mit Zu-stimmung der Generäle (24. Aug.) in sein Schloß Hampton - Court zu-rückgekehrt und wohnte dort mit abgöttischem Prunk bedient und voneinem anmaßenderen Hofe als je umgeben. Seine früheren Räthe, Rich-mond, Hertford, Capel, Southampton, hatten sich beeilt, wieder zu ihmzu kommen, als ob er im Begriff gewesen wäre. die souveräne Gewaltwieder zu übernehme» und auszuüben. Selbst Ormond, der gefährlichsteAnführer der irländischen Royalisten, er, der noch vor Kurzem in jenemReiche gegen das Parlament gekämpft und sich nur mit großer Mühehatte bewegen lassen, endlich Dublin zu übergeben, Ormond war, nachEngland zurückgekehrt, von dem General, dem Generallieutenant, fastallen Großen des Heeres, mit zuvorkommender Gefälligkeit ausgenom-men worden, besuchte unbehindert den König und sann ohne Zweifel mitihm aus eine neue Schilderhebung in Irland. Zugleich kamen und gin-gen die thätigsten Vertrauten des Königs, Berkley, Ashburnham, Ford,Apsley, unablässig vom Hofe nach dem Hauptquartier, und vom Haupt-quartiere nach dem Hofe. Cromwell's und Jreton's Thür stand ihnenstets offen, während eine Menge rechtschaffener Leute nicht zu ihnen ge-langen konnten. Ihrerseits unterhielten Jreton und Cromwell theilspersönlich, theils durch ihre Boten die Verbindung mit dem Könige aufdas eifrigste; man hatte sie mit ihm allein im Park spazieren gehen undsich in sein Cabinet einschließen sehen. Selbst ihre Frauen, Mrs. Crom-well, Mrs. Jreton und Mrs. Whallcy hatten sich in Hampton - Courtvorstellen lassen und waren vom König mit den größten Ehren empfan-gen worden. So große Vertraulichkeit war ein Aergerniß, so viele Zu-sammenkünfte mußten irgend einen Verrath vorbereiten. Solche Redenverbreiteten sich täglich unter den Republikanern und Enthusiasten, be-

Gutjot. 24