374
Die Republikaner und Gleichmachen
7. Buch.
ruhig halten müßten, um sich von den Gemäßigten bezahlen zu lassen,und die Gemäßigten, daß man die Fanatiker bezahlen müsse, um sie inRuhe zu erhalten, umsonst war es ihm sogar gelungen, einige seiner Der-trauten unter die neuen Agenten der Soldaten wählen zu lassen, alleseine Anstrengungen blieben erfolglos, selbst seine Klugheit schlug gegenihn aus; er hatte sich unter allen Parteien Einverständnisse und Mittelzum Handeln verschafft und überall drohte eine schrankenlose Gährung.seine Berechnungen zu vereiteln, seinen Einfluß zu vernichten. Alle seineGeschicklichkeit hatte nur dazu gedient, seine Lage mit Verlegenheiten undGefahren zu erfüllen.
In dieser Ungewißheit ließ ihm einer von den Spionen, die erselbst in den Gemächern des Königs zu Hampton-Court hatte, die Nach.richt zugehen, daß an jenem Tage ein an die Königin gerichtetes Schrei-ben, welches die wahren Absichten Karl's gegen die Armee und ihreHäupter enthalte, auS dem Schlosse abgesendet worden sei. Das in einenSattel, welchen ein Mensch, der nicht im Geheimniß war auf dem Kopfetrug, genähte Schreiben sollte gegen 10 Uhr Abends in dem Gasthausezum blauen Eber in Holborn ankomme», wo ein Pferd bereit stand, um denMann nach Dover zu bringen, von wo aus das Packet nach Frankreichgeschafft werden sollte. Cromwell und Jreton faßten augenblicklich ihrenEntschluß und reisten, als gemeine Reiter verkleidet, mit einem einzi-gen Soldaten von Windsor ab, um sich an den bezeichneten Ort zu be-geben. Sobald sie dort ankamen, stellten sie ihren Soldaten vor dieThür auf die Lauer, traten in ein Zimmer und ließen sich Bier geben.Gegen 10 Uhr kam der Bote wirklich mit dem Sattel auf dem Kopfe,sie wurden sofort davon benachrichtigt, gingen mit dem Degen in derHand hinaus, bemächtigten sich des Sattels, unter dem Vorwande, daßsie den Befehl hätten. Alles zu durchsuchen, brachten ihn in das Zim-mer, schnitten den Rand auf, fanden den Bries darin, schloffen den Sat-tel wieder sorgfältig und gaben ihn dem erschrockenen Boten zurück, in-dem sie ihm mit dem Scheine guter Laune sagten, daß er ein ehrlicherBursche sei und seinen Weg fortsetzen könne.
Die Nachricht war nicht trügerisch gewesen. Karl schrieb in derThat an die Königin, daß die beiden Parteien ihn mit gleichem Eiferzu gewinnen suchten, daß er sich derjenigen anschließen würde, deren Be-dingungen für ihn am vortheilhaftesten seien und daß er glaube, es werdeeher mit dem schottischen Prcsbyterianern, als mit dem Heere geschehen.„Uebrigens," fügte er hinzu, „kenne allein ich meine Lage. Sei über dieZugeständnisse, welche ich machen könnte, ruhig, ich werde, wenn es Zeitist, wohl wissen, wie man sich mit jenen Schlingeln benebmen muß und siestatt eines seidenen Hosenbandes mit einem hänfenen Strick versehen."